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30 Jahre Deutsche Einheit – Ein Abgesang 

 3. Oktober 2020

von  Daniel Matissek

Dass die deutsche Einheit nun schon länger währt als die Mauer überhaupt stand, verdeutlicht uns Älteren mehr als nur das rasante Fortschreiten der Zeit. Eine Spanne von drei Jahrzehnten müsste eigentlich – zumindest sollte man das meinen – allemal ausgereicht haben, die deutsche Teilung weitestgehend zu überwinden und uns das zurückzubringen, was den Deutschen in der Nachkriegszeit, unter zwei verfeindeten Systemen, scheinbar auf alle Ewigkeit ausgetrieben worden war: Ein gemeinsames Nationalbewusstsein, eine deutsche Identität.

Tatsächlich ist die geographische Teilung der Deutschen bewältigt worden; doch an ihre Stelle trat eine neue Teilung. Denn gespalten ist dieses Land heute mehr denn je. 30 Jahre nach der feierlichen Einheitsfeier am Brandenburger Tor verläuft durch diese Gesellschaft ein weit schlimmerer Riss, als ihn Stacheldraht, Wachposten und Selbstschussanlagen je verursachen konnten. Die neue Trennung verläuft nicht mehr entlang eines Todesstreifens, sondern weltanschaulich-kulturell. Sie betrifft das Selbstverständnis der Bürger dieses Landes als Deutsche, und sie schafft ein Klima fortschreitender Feinseligkeit, Intoleranz und Verständnislosigkeit, die jedem Gemeinsinn die Basis raubt. In der Folge ist diese Gesellschaft von einem gesunden Nationalbewusstsein weiter entfernt, als sie es in den eisigsten Zeiten des Kalten Krieges je war.

Wer damals im Herbst 1990 – oder kurz zuvor schon, beim identitätsstiftenden ersten gesamtdeutschen Triumph der Fußball-Weltmeisterschaft im selben Jahr – hoffnungsfroh in die Zukunft blickte und voller Optimismus die Überwindung und baldige Heilung der Trennungsschäden erwartete, hatte dabei die schrittweise Angleichung der sozialen und vor allem ökonomischen Lebensverhältnisse im Sinn. Was diese anlangt, so ist in der Tat viel erreicht worden. Kohls Vision der „blühenden Landschaften“, später mit Hohn und Spott bedacht und  geschmäht: Sie wurde tatsächlich, cum grano salis, weitgehende Wirklichkeit – wenn auch teuer erkauft durch Ungerechtigkeiten bei der Treuhand-„Abwicklung“ des Ostens in den frühen Neunzigern sowie mit dem Ausbluten vernachlässigter strukturschwacher Regionen im Westen. Doch bei allen nach wie vor bestehenden Divergenzen zwischen Ost und West wurde, dank zwei Billionen Aufbauleistungen und Dauer-Soli, unendlich viel aufgebaut und angeglichen – zumindest materiell.

Auch was das ideelle Wiederzusammenwachsen der Deutschen zu einer Nation anlangte, sah zunächst alles danach aus, als wären wir auf einem guten Weg. Der aus Groll auf den überwundenen Sozialismus gespeiste Drang der Ostdeutschen, fortan als Teil der Bundesrepublik endlich wieder zur gemeinsamer Größe, unbefangenem Nationalstolz und damit einer neuen Identität zurückzufinden, stieß zunächst auf Widerstand der – diesbezüglich von der Muttermilch an defätistisch eingestellten – westdeutschen Eliten, die auf jegliche Deutschtümelei, nationale Symbolik oder Vaterlandsliebe allergisch reagierten. Es war dann ausgerechnet die Alterskohorte der „Millenials“, der ersten gesamtdeutsch sozialisierten Generation Y, die hier die entscheidenden Hürden sprengte und schließlich ein neues, fröhliches, unaufdringliches Nationalgefühl entdeckte, über welches das Ausland ebenso überrascht war wie ihre eigenen Eltern und Großeltern.

Zum ersten Mal – und dann auch gleich mit kulturdominanter Sendungskraft – brach sich dieses neue Selbstbewusstsein der Deutschen beim „Sommermärchen“ 2006 Bahn. Es war kein Zufall, dass es – wie schon 1954 und 1990 – eine Fussball-WM war, die wie ein Katalysator wirkte, quasi als volkspsychologisches Befreiungsmoment, und eine weit über den Sport hinausgehende ansteckende Dynamik entfaltete. Das „Wir sind Deutschland“-Feeling brachte uns in gesunder Form ein Stück dessen zurück, was der Nationalsozialismus – wie es schien, für immer und unwiederbringlich – deformiert und zerstört hatte: Ein gesundes, unbelastetes Gemeinschaftsgefühl, ein unbefangenes Verhältnis der Deutschen zu sich selbst. 1990 noch (bei der eigentlichen Einheitsfeier) eher verschämt rezipiert, war Schwarz-Rot-Gold Mitte der Nullerjahre plötzlich sexy und hip wie nie; das sorglose Spiel der Jüngeren mit der Trikolore der deutschen Demokratie, ob nun als Fanschminke auf strahlenden Teeniewangen oder als Fahnenmeer beim Public Viewing, zeigte: Das vereinte Deutschland war endlich bei sich selbst angekommen. Selbst ewiggestrige Linke, die als Party-Pooper versuchten die Stimmung madig zu machen und das neue Wir-Gefühl als einen Rückfall in den Nationalismus torpedieren wollten, fanden kein Gehör mehr. Dies waren wahrlich glückliche Jahre; die Zukunft des Landes schien golden.

Dann aber setzte das ein, was in den Geschichtsbüchern vermutlich einst als „Bleierne Zeit der Merkel-Ära“ beschrieben werden wird: Binnen weniger Jahre blieb praktisch nichts übrig von der Ausgelassenheit und Zuversicht des damals wirklich bunten, ebenso „weltoffenen“ wie „freien“ Deutschland, das die WM-Devise „Die Welt zu Gast bei Freunden“ wahrhaftig gelebt und gefühlt hatte: Zuerst wurde die Weltoffenheit pervertiert, dann die Freiheit.

Mit dem Einzug der Hypermoral, eines neuen linken Jakobinertums und eines penetranten Sendungsbewusstseins setzte eine Re-Ideologisierung der Politik nach innen wie außen ein, die alle vorherigen Freiräume konsequent einzuengen begann: Freiräume des Wählbaren, des Sagbaren und schließlich des Denkbaren. Worte werden seither pausenlos mit neuen Inhalten gefüllt, eine verschärfte Political Correctness 2.0 sorgt für ein ubiquitäres Minenfeld des „Toxischen“, das heute schließlich überall mit Gruben und Fallstricken lauert.

Gastfreundschaft, Ausländerfreundlichkeit, Weltoffenheit fanden ihre Selbstkarikierung in dem Wahn, „obergrenzenfrei“ buchstäblichen jeden auf einseitiges Verlangen unter rechtsmissbräuchlicher Aufweichung des Asylrechts ins Land lassen zu müssen. Konservative Überzeugungen (vor allem die Einsicht in die stete Gültigkeit der Jellinek’schen Drei-Elemente-Lehre des Dreiklangs Staatsvolk – Staatsgebiet – Staatsgewalt als für jede Nation elementare Grundvoraussetzung) wurden binnen weniger Jahre nicht nur in Frage gestellt, sondern ihre Anhänger – als Ergebnis einer beispiellosen Begriffsverschiebung, ins „rechte“ oder gar „rechtsextreme“ Lager gerückt. Die anhaltende Pejorisierung des Substantivs „Volk“ mit all seinen Ableitungen sorgte hochwirksam dafür, dass bei diesem Wort die meisten inzwischen ebenso zusammenzucken wie bei der Vokabel „deutsch“.

Angela Merkel hat als Kanzlerin dazu auf praktisch allen Ebenen beigetragen. Es ist kein Zufall, dass während ihrer Regentschaft im Innenhof des Reichstags der „künstlerische“ Sinnspruch „Der Bevölkerung“ erstrahlte -in ostentativer Abgrenzung zur Inschrift „Dem Deutschen Volke“ (über dessen Beseitigung, ebenso bezeichnend, ernsthaft debattiert wird). Sie war es, die auf die Frage nach ihrer Definition des „deutschen Volkes“ einst antwortete, darunter verstehe sie „jeden, der in diesem Land lebt“. Spätestens nach dieser Selbstentlarvung hätte Willy Brandt selig von ihr vermutlich als „vaterlandsloser Gesellin“ gesprochen. Dass Merkel beim Absingen der Nationalhymne Zitteranfälle bekam, lässt sich durchaus in symbolträchtiger Kontinuität zu Szenen wie jener sehen, als sie auf einer Wahlparty angewidert eine Deutschlandfahne von der Bühne entfernte.

Dass sich in diesem gesellschaftlich-politischen Klima heute niemand mehr traut, Schwarz-Rot-Gold zu tragen oder zu zeigen, weil er andernfalls befürchten muss, als „neurechts“, womöglich gar „AfD-Faschist“ oder „ausgrenzender Nationalist“ angefeindet zu werden, dass auch keiner mehr das Deutschlandlied singen mag oder so etwas wie Heimatverbundenheit und Stolz auf sein Land auch nur verschämt zu bekennen mag, weil dies zuvorderst ja eine „Diskriminierung“ Nichtdeutscher, eine „Ausgrenzung“ aller anderen darstellen könnte: All dies ist nur die logische Folge dieser verheerenden, degenerativen Entwicklung. Ein „Sommermärchen“ wäre heute ebenso nicht mehr denkbar wie der gelöste Freudentaumel des Herbstes 1990.

Hinzu kommt, dass die massenhafte Flutung Deutschlands mit kulturfremden Personen (die keinerlei Konvergenz, keinerlei Integrationsbereitschaft zeigen und größtenteils sprachlich, religiös und kulturell streng an ihrer Prägung festhalten) dazu geführt hat, dass dieses Deutschland von Jahr zu Jahr weniger wiederzuerkennen ist. Die Folge dieses anhaltenden Trends, der durch Familienaktivität und Fortpflanzungsaktivität der Neubürger weiter akzeleriert wird, sind irreversible Segregationserscheinungen: Geschlossen muslimische Stadtviertel; Parallel- und Gegengesellschaften; von Clans dominierte No-Go-Areas, in denen der deutsche Staat längst kapituliert hat. Seit der „Flüchtlingskrise“ 2015, aus der nichts gelernt wurde und die sich aktuell zu wiederholen droht, hat sich das öffentliche Leben, die Alltagswahrnehmung Deutschlands so extrem rasant verändert, dass sich immer mehr Deutsche fremd im eigenen Land fühlen. Welche „Identität“ sollten sie da heute noch empfinden?

Apropos Identität: Ein radikaler und immer unerbittlicherer Kulturmarxismus, der jedes Bekenntnis zur eigenen Herkunft, Verwurzelung und Heimat kriminalisiert und eine barbarische Cancel-Culture propagiert, lebt sich in der nachhaltigen Beseitigung und Tilgung von Geschichte, Werten und Traditionen aus. Die von diesem mentalen Talibanismus hinterlassene verbrannte Erde soll einer künftigen „diversen“ Neusiedlung auf deutschem Boden das Substrat liefern, umgesetzt durch eine gezielt geförderte Massenmigration, deren Begünstigte mit deutscher, christlicher, abendländischer Identität möglichst gar nichts mehr zu tun haben dürfen. Dies ist die wahnwitzige Realität in diesem Deutschland, das sich 30 Jahre nach der glücklichen Wiedererlangung seiner Einheit in Freiheit tatsächlich abschafft – und, anders als 1945, diesmal nachhaltig, da nicht mehr in seiner physischen, sondern diesmal in seiner geistig-kulturellen Substanz.

Noch nie standen die Deutschen in ihrer Geschichte so kurz vor ihrem endgültigen Verschwinden als Kulturvolk – und diesmal weder durch Kriege, Fremdherrschaft oder Anarchie, sondern ganz geräuschlos als Ergebnis einer zersetzenden Agenda, deren Hintermänner nicht mehr nur in Deutschland sitzen, sondern in den Schaltzentralen von Nichtregierungsorganisationen, die einen globalistischen Kulturkampf zur Überwindung von Grenzen und Nationen führen – an dessen Ende ein weltumspannender Totalitarismus stehen wird. Die meisten realisieren all dies noch nicht.

Es scheint, dass ausgerechnet die Ostdeutschen, die ihren Landsleuten im Westen um den Erfahrungswert einer sozialistischen Diktatur voraus sind, für diese Bedrohung ein feineres Gespür haben. Vielleicht erklärt dies nicht nur das dortige hohe Abschneiden der AfD, sondern vor allem ihr gesundes Misstrauen gegenüber einer als „Bereicherung“ proklamierten Problemmigration, ebenso wie ihren deutlich ausgeprägteren Patriotismus. Die Menschen der neuen Bundesländer haben noch eine konkrete Vorstellung davon, in welches Verderben Staatswirtschaft, Zensur, Dirigismus und Gesinnungsüberwachung zwingend führen. Deshalb begreifen sie mehr noch als die Westler, wie kostbar und schützenswert dieses Deutschland ist, das in den Jahren nach 1990 wirklich das Beste war, das auf diesem Staatsgebiet je existiert hat.

Klartext

von Daniel Matissek

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