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Apokalypse Now im Schlachthof Tierschützer decken auf 

 28. November 2020

von  Daniel Matissek

Tierschützer decken skandalöse Zustände auch in Biberach auf

Die Serie unsäglicher Fälle von Tieresmisshandlung in Deutschlands „Musterländle“ reißt nicht ab: Nach wie vor herrschen in Baden-Württembergs Schlachthöfen untragbare Verhältnisse. In einer neuen, umfangreichen Dokumentation legte die Tierschutzorganisation „Soko Tierschutz“ jetzt Nachweise dafür vor, dass der Skandal um den Gärtringer Schlachthof, der im September wegen eklatanter Rechtsverstöße geschlossen werden musste, beileibe kein Einzelfall war. Die Politik hat aus dem ebenfalls von der „Soko“ aufgedeckten Fall Gärtringen offenbar nichts gelernt, wie die Enthüllungen der Tierschützer zeigen.

Denn auch im Schlachthof Biberach – einem mittelständischen Familienbetrieb und Metzgerschlachthof, bei dem man fachmännische Sorgfalt und ethische Standards alleine schon aus Traditionsgründen erwarten müsste – sind Zustände an der Tagesordnung, wie man sie nur aus den schlimmsten Schreckensvisionen der industriellen Massentierhaltung kennt.

An nicht weniger als sechs einzelnen Schlachttagen ermittelte die „Soko Tierschutz“ im Biberacher Schlachtbetrieb tierrechtswidrige, brachialste Gewalt – anhand eindeutigen Bildmaterials. Das Schlachtvieh wurde mangelhaft betäubt, schrottreife Technik kam zum Einsatz und das Personal zeigte, so die Aktivisten, „maximales Desinteresse“ gegenüber den Leiden der Tiere. In den verdeckt angefertigten Aufnahmen, die an den stets zweimal wöchentlich stattfindenden Schlachttagen zwischen dem 5. Oktober und 16. November 2020 aufgenommen wurden, werden etwa 1.500 Schweine- und 75 Rinderschlachtungen dokumentiert. Insbesondere bei den Rinderschlachtungen fallen dabei technisches Totalversagen sowie heillose Überforderung und erschreckende Inkompetenz der Durchführenden ins Auge – Zustände, wie man sie in angeblich veterinärmedizinisch betreuten und behördlich überwachten Fachbetrieben im 21. Jahrhundert in Deutschland eigentlich mehr anzutreffen erwartet.

Auf den erschütternden Bildern ist zu sehen, wie Tiere fast ausnahmslos mehrfache Schussversuche über sich ergehen lassen müssen, weil das Bolzenschussgerät ständig versagt – und deshalb in panischer Angst, ohne ausreichende Fixierung minutenlangen Widerstand leisten. Offensichtlich gab es kein gesetzlich vorgeschriebenes Ersatzgerät, zumindest kam ein solches nicht zum Einsatz. Als Folge dieser unglaublichen Mängel müssen vor allem Rinder – in sichtbarer Panik, bei vollem Bewusstsein – den Horror in der Tötungsbox durchleben, zumal sie augenscheinlich nicht ausreichend betäubt sind: Weder wird eine Nachbetäubung durchgeführt, noch greift die zumindest auf einigen der Aufnahmen anwesende amtliche Veterinärin ein, um eine leidliche Kontrolle der Betäubungssicherheit zu gewährleisten.

Dies ist noch nicht alles: Manche Tiere sind mit angetrockneten Kotklumpen bedeckt, was nicht nur auf miserable Haltungsbedingungen in den anliefernden Bauernhöfen hinweist, sondern absolut unzulässig ist. Schon beim Zutrieb in den Schlachthof setzen die Schlachter rechtswidrig Elektroschocker ein – und dies mit erkennbar gleichgültig Routine und obwohl deren Verwendung strikt untersagt ist. „Kaum ein Tier geht einen Meter ohne Stromstoß“, berichten die „Soko“-Zeugen. In einer besonders erschreckenden Szene ist zu sehen, wie ein Rind nach wiederholten Treibversuchen unter extremen Schmerzensschreien in der Tötungsbox zusammenbricht und in der Folge augenscheinlich leblos geschossen wird, um so in die „Weiterverarbeitung“ gegeben zu werden. Einem anderen Rind werden unmittelbar nach der Betäubung – die zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gewirkt haben kann – die Vorderläufe abgetrennt; ein äußerst verstörender und traumatischer Vorgang.

Die Dokumentation enthüllt des weiteren, dass es auch bei den Schweinen immer wieder zu regelmäßigen mutmaßlichen Fehlbetäubungen kommt: Zu sehen sind Tiere, die aus klaffenden Halswunden bluten und sich verzweifelt gegen ihre Betäubung wehren. Angeblich bewusstlose Tiere zeigen noch koordinierte Bewegungen, vollführen bis zu 30 Atemzüge und wehren sich derart massiv, dass ein Tier beinahe ins Brühbad stürzt. Amtlichen Bestimmungen zufolge gelten eigentlich schon drei Atemzüge als hinreichender Verdacht auf eine Fehlbetäubung, was die sofortige Einleitung von Gegenmaßnahmen zur Nachbetäubung notwendig macht. Doch nur eine einzige dokumentierte Nachbetäubung fand der Dokumentation zufolge statt – nach mehr als 10 Minuten und kurz vor dem Brühbad.

Besonders skandalös im Biberacher Skandalbetrieb: Trotz der diversen Hinweise auf ein gewohnheitsmäßiges Versagen bei der Betäubung, trotz wiederholter Fälle von plötzlichem Wiedererwachen der Tiere fand die vorgeschriebene Kontrolle der Betäubungen nur bei einer von rund 1.500 Schweineschlachtungen statt. Die „Soko“ beklagt, dass die Schlachter völlig „relaxed“ und mit erschreckender Routine die unzulässigen Eingriffe an noch lebenden und mangelhaft betäubten Tieren vornehmen: Sie durchtrennen ihnen die Sehnen, oder schneiden bei großen Zuchtsauen unmittelbar vor dem Brühbad die Vorderbeine ab. Auch hier glänzt die zuständige Amtsveterinärin durch weitgehende Abwesenheit. Besonders schockierend zu betrachten ist der Fall einer Schafschlachtung, bei der das Tier ganz offensichtlich bei vollem Bewusstsein ist, seinen Kopf hebt, die Ohren bewegt und dann miterleben muss, wie es der Länge nach aufgeschlitzt wird.

Parallel zur Veröffentlichung dieser alptraumhaften Zustände im Biberacher Schlachthof hat die „Soko Tierschutz“ inzwischen Strafanzeige gegen die Betreiber gestellt und das wie gewohnt „undercover“ zusammengetragene Beweismaterial den Ermittlungsbehörden übergeben. Für die zuständigen Staatsanwaltschaften sind die Tierschützer als willkommene „Hilfsermittler“ übrigens längst keine Unbekannten mehr: Die Erfolgsbilanz der „Soko Tierschutz“ ist durchaus respektabel, denn alleine in den letzten Jahren deckte sie 10 Schlachtbetriebe in fünf Bundesländern auf, von denen sieben in der Folge geschlossen werden mussten.

Die strafrechtliche Aufarbeitung ist das eine; die Frage nach politischen Konsequenzen etwas anderes – wenn auch nicht minder wichtig. Denn tatsächlich zeugen die apokalyptischen Zustände in Biberach einmal mehr vom politischen Kontrollversagen des zuständigen Stuttgarter Landwirtschaftsministeriums unter Ressortleiter Peter Hauk (CDU). Dieser setzt entweder weiterhin unbeirrt auf Desinformation und vorsätzliche Schönfärberei der Zustände in den Schlachtbetrieben – oder aber seine Beamten haben keine Ahnung, was in Wahrheit im Land vorgeht: Im sogenannten „Schlachthof-Monitoring des Landes Baden-Württemberg“ prahlt Hauk damit, es habe keine „nennenswerten Beanstandungen“ gegeben – obwohl spätestens seit den jüngsten Enthüllungen der „Soko Tierschutz“ feststeht, dass sich hinter den beschönigenden Berichten eine veritable „Liste des Grauens“ quer durch die gesamte Schlachtbranche des Landes verbirgt.

Die Dokumentationen zeigten, so schreibt die „Soko“ auf Facebook, dass Minister Hauk „die Lage alles andere als im Griff hat und nicht bereit ist, die Tiere vor der heimischen Schlachtbranche zu schützen.“ Dass Hauk im bereits erwähnten Fall des Gärtringer Schlachthofs weiterhin entscheidende Tierschutzmaßnahmen verweigerte und die Öffentlichkeit über die evidenten Probleme in den Betrieben belog, scheint für den Minister politisch bislang ohne Folgen zu bleiben. Seit Monaten laviert er von einem Tierschutzskandal zum nächsten – und sieht sich jetzt im Fall Biberach erneut mit den Folgen der eigenen Untätigkeit konfrontiert. Deshalb fordert die Tierschutz Peter Hauk erneut zum Rücktritt auf – als Hauptverantwortlichen für das Versagen der Stuttgarter grün-schwarzen Koalition im Bereich Tierschutz.

von Daniel Matissek

Mehr Info zu SOKO-Tierschutz unter: https://www.facebook.com/162271687230474/posts/2254700797987542/

Diesen Artikel gibt es auch als Podcast unter: https://www.youtube.com/watch?v=t4WVp2L9HVc

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