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Berlin ist immer eine Reise wert, schon um die Katastrophe zu betrachten… 

 18. Oktober 2020

von  Matthias Matussek

8-11. Oktober 2020 Rütli-Berlin-Ostsee
Berlin ist immer eine Reise wert, schon um die Katastrophe zu betrachten, welche eine linke Kulturrevolution in der Praxis anrichtet.

Am Abend, an dem ich aus der Schweiz, der lieblichen, in der sogenannten Hauptstadt ankam, streiften die verwirrten Sympathisanten der Hausbesetzer aus der Liebigstraße 34, welche dann doch einem beeindruckenden angerückten 1500-Mann-Bataillon der Polizei gewichen waren, durch die Stadt und ließen dort Luft ab, wo kein Widerstand zu erwarten war, nämlich in Berlin Mitte, wo meine Schwiegermutter lebt.

Um ein paar Schaufenster einzuschlagen und zu versuchen, Boutiquen auszuräumen, in der Nähe der Hackeschen Höfe, die vor 30 Jahren vom DDR-Ruß befreit und zu gekachelten Jugendstil-Flanier-Vierteln freigelegt wurden, damals, als Berlin tatsächlich noch voller Versprechen war.

Mittlerweile hat es erschöpft aufgegeben und alle 20er-Jahre-Allusionen sind abgefallen und runtergerutscht wie die Marketing-Schlacke mittelmäßiger und vergaunerter Bürokraten, die nun als Berliner Schnauze noch einmal dick aufgetragen wird. „Wat kiekste denn so“ – „Ick liebe dir oooch“ – eben dieses Kurt-Krömer-Gelalle. Im öffentlichen Dienst werden 800 000 Beschäftigte ausgehalten, also jeder Dritte. Bezahlt werden sie aus Bayern und Baden-Württemberg über den Länder-Finanzausgleich.

Keiner hat diese Geisterbahn-Gesichter der Regierenden so genau und ätzend aufs Papier gebracht wie der Künstler Stefan Klinkigt aus Dresden – seine Porträts sind Röntgenaufnahmen der Deformationen durch die Macht.

Nun sind Hauptstädte nicht die leichtesten sozialen Gefüge. Paris wird von islamischen und afrikanischen Banlieus umlagert, in London liefern sich somalische und pakistanische Ghettos Schlachten, doch nur in Berlin haben sich linksradikale Bürgerkinder zu subventionswürdigen Stämmen und Ruinenbewohnern zusammengefunden, die mit einer ideologisch sympathisierenden Politik die zukunftsweisenden sozialistischen Utopien teilen – auf Twitter werden Fotos aus dem heruntergeranzten besetzten Mietshaus vorgezeigt wie Habitate seltener, aber bewahrenswerter Spezies, deren Gruseleffekte eifrig besprochen werden.

Ein Tom Münch twittert „Ist traurig, dass man sich in Deutschland so massiv gegen Politik und Wirtschaft und Polizei wehren und verschanzen muss um nicht durch Konzerne und ihre Lobbyisten unterdrückt und vertrieben zu werden. Eine Schlacht ist vorbei der Kampf geht weiter.“ Oder, ein Michael: “Erst wenn die letzte Wohnung dem Markt übergeben ist werdet ihr merken, dass der Kapitalismus ‚ne verdammt blöde Idee ist. #Liebig34“ Da hält doch prompt der Darktrooper entgegen „Erst wenn du keinen Dünnschiss mehr laberst und mal die Gesetze durchliest, wirst du merken dass die Räumung in Ordnung war. #Vollidiot.“ Das wäre dann die Variation auf die Berlin-Werbung: ick liebe dir ooch.

Ich hatte in meiner Schülerzeit wilde Zeiten in ebenfalls einem derartigen „Experiment“ verbracht, in einem Haus, das abgerissen werden sollte, und das alles in meiner Kurzgeschichte „Bucharins Ende“ verewigt („Fifth Avenue“, Diogenes, 1995, zu bestellen auf dieser HP unter der Kategorie „Bücher“), allerdings waren wir weniger verdreckt, weniger verbiestert, weniger unerotisch, also wesentlich lustiger und leichter unterwegs, und vor allem fehlte mir auf den veröffentlichten Fotos eines: Bücher! Ich habe kein einziges gesehen… 

Anderntags der von der AfD veranstaltete Kongress der „Alternativen Medien“. Früher wurde in Berlin alles „Alternative“ subventioniert, das alternative Theater, der alternative Film, die alternativen Kinderläden. Heute ist die ernstzunehmende Alternative fest in rechter Hand, denn die Linke ist an der Regierung. Links sind die Seilschaften, links ist der Stau, links die Durchstecherei, links die Stummel- und Stammelsprache, diese „Irgendwo fühl ich mich dabei total nicht angenommen“- Nebelrhetorik, deren Unterfutter allerdings das beinharte Durchsetzungsdeutsch antifaschistischer Selbstgerechtigkeit ist, das „Wir können auch anders“.

Und das schreckt nicht zurück vor Einschüchterungen durch trotzkistische Störtrupps an der Uni, oder, ganz aktuell, vor beamtetem Kesseltreiben, wie es soeben nach Durchsicht der Akten eines Untersuchungsausschusses offenbar wurde: des Kesseltreibens gegen den ehemaligen Leiter der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen durch den einstigen SED-Kader Kultursenator Lederer, wie es nun die Welt berichtete.

Auf dem Kongress Bekanntschaft gemacht mit Thor Kunkel, einem unglaublich witzigen und inspirierenden Schriftsteller und im Tessin residierenden Lebenskünstler, sowie der schmalen Naomi Seibt, der „Greta der Rechten“ (Spiegel), die das Auditorium im Versammlungssaal im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus aufklärte über die Ungenauigkeiten des Corona-Tests und tatsächlich unerschrocken biochemischen Grundlagenunterricht gab nach Maßgabe der berühmten Szene aus der Feuerzangenbowle, wo Physik-Lehrer Bömmel der begriffsstutzigen Klasse erklärt „Wat is eine Dampfmaschine…da stelle mer uns jetzt ma janz dumm…“ Und sie schaffte es tatsächlich, die Fragwürdigkeit dieses aus RNA-Fetzen, Polymerase-Reaktion und Computer-Hochrechnungen zusammengesetzten PCR-Tests von Drosten verständlich zu machen.

Naomi Seibt betreibt eine erfolgreiche Internetseite, Boris Reitschuster erst recht, auch ich tue es, es gibt doch einige, die den etablierten (und staatlich geförderten) Medien Konkurrenz machen, wie Peter Webers „Hallo Meinung“, dessen Talk-Sendungen quotenmäßig durchaus mit denen der ÖR mithalten können , wie auch z.B. Alexander Wendt mit seiner „Publico“-Seite, und er war es, der den Optimismus, den ich in meinem Vortrag über die alternativen Medien zu versprühen versuchte, mit Zahlen unterlegte.

Er machte klar, dass die deutsche Presselandschaft ein Angebots-Problem hat. Die Kunden wollen nicht in allen Zeitungen das gleiche lesen – er veranschaulichte das mit einer gleichlautenden Schlagzeile über Henryk Broder –  sondern schätzen durchaus die Abwechslung, auch die Erweiterung durch oft unterschlagene Themen.

Ich sprach über meine Videoblogs und darüber, wie ich einst Alexander Kluge das Bloggen beibrachte. Der wiederum hatte schon 1961 im Oberhausener Manifest, also dem Gründungsdokument des Neuen Deutschen Films, von der Enteignung der Produktionsmittel geträumt, die mittlerweile Wirklichkeit geworden ist: Mit den Handy-Kameras ist jeder sein eigener Regisseur, und mit dem Internet jeder sein eigener Verleger, sein eigener Kino-Besitzer.

Hier der sehr lustige Videoblog mit Kluge, dem Filmer, Unternehmer, Buchautor obendrein einem unfassbar sympathischen Intellektuellen, der die Gabe zur Selbstironie hat, und das ist, bei allen politischen Differenzen, das Allerwichtigste: https://www.youtube.com/watch?v=sagu5NV6Bx4

Eine Grundregel hatte ich in dieser Unterrichtsstunde allerdings nicht ausdrücklich angeführt: das einnehmende Äußere. Ich hatte es nicht nötig, darauf hinzuweisen, denn ich war 15 Jahre jünger und 30 Kilo leichter.

Das wurde mir schmerzhaft bewusst, als ich das Video sah, das Michael Stürzenberger auf dem Kongress der Alternativen mit mir führte. Ich ließ es sofort vom Netz nehmen. Nicht etwa, weil Stürzenberger wegen Islamfeindlichkeit vom Verfassungsschutz beobachtet wird (der sollte lieber die dubiosen Islam-Freunde und Judenhasser in der Linken nicht aus den Augen verlieren, die gemeinsam mit den Islamisten „Juden ins Gas“ grölen) – nein, die Aufnahmen waren deshalb unmöglich, weil hier in der unschönsten Form meine Wampe dokumentiert wurde.

Ich verlangte, dass ich unterhalb der Brust gepixelt werde, auch und gerade wegen der möglichen seelischen Schäden, die Minderjährige, die ja heutzutage überall hinsurfen im Netz, an dieser hässlichen Wucherung nehmen könnten. Mit dem Inhalt des Interviews – hier in voller verpixelter Länge – hatte ich überhaupt kein Problem, denn mittlerweile weiß jeder, dass dem Spiegel die Leser davon laufen, seit ich nicht mehr dort schreibe. https://www.youtube.com/watch?v=62w9ZQslD7c

 Abends im Restaurant „Ganymed“ am Theater am Schiffbauerdamm mit Peter Bystrons Adjutanten Filip, einem bosnischen Christen, Witze über Josip Tito und George Best getauscht, also Partisanen im Krieg und im Fußball, der letztere ja die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln, dazu einen Aphorismus des ebenfalls anwesenden Michael Klonovsky erinnert, der so geht:

Ach ja, natürlich gibt es eine Auswertung dieser hochgefährlichen Konferenz, von „Correctiv“ und „Endstation Rechts“, die lediglich nach rechts vermisst und daher nur zu einer relativ eingeschränkten Messerei in der Lage ist, nämlich – nach rechts. Ihr zufolge hat sich die AfD mit „extrem rechten Medienmachern“ im Bundestag getroffen – bleibt die Frage: „Was will die Partei mit dem Schulterschluss erreichen?“

Hab ich mir auch überlegt. Hm.

Die Antwort wäre, dass sich die schlappgewordene AfD über knallhart Rechte wie mich, also Dschingis-Khan-Rechte, eben die totalen Permafrost-Bohrkern-Rechten, die Kontakt zu Paläolithikum-Rechten halten, wo es einfach schon rechts zum Nachbarplaneten rausschießt, eine Auffrischung ihres superextremerzdunklen Kerns verspricht und daher solche Konferenzen veranstaltet. Das hieße ja, dass ich rechter als die rechte AfD bin.

Aber dann wiederum: „Ein anderer Redner, der sich mittlerweile im Milieu der Neuen Rechten bewegt, ist Matthias Matussek…“ und hier wird es jetzt doch ein bisschen schwammig, (was heißt hier mittlerweile???)„…scheint der extremen Rechten nicht abgetan zu sein: Im Januar 2019 trat er als Redner auf einer der „Merkel-muß-weg“-Demonstrationen in Hamburg auf….“

Also liebe Leute, entscheidet euch: Entweder ich bin als extremultraradikal Rechter eine entsprechende Befruchtung für die AfD, dann müsste mir aber  mehr einfallen, als Merkels Rücktritt zu fordern, was doch eigentlich schon Parlamentsroutine der größten Oppositionspartei im Bundestag, nämlich der AfD, ist, oder ich bin auf eurem Urmeter überhaupt nicht messbar, weil die letzten Sachen, die ich geschrieben habe, garnichts mit Merkel zu tun hatten, sondern mit Friedrich Hölderlin und Jimi Hendrix, allerdings in Presseerzeugnissen, die ihr bescheuerten Brummschädel nicht auswertet und ohnehin nicht verstehen würdet.

Am anderen Morgen hinaus in den Wedding zur St. Afra-Kirche, einer Hinterhof-Kirche aus den Zeiten der Katholikenverfolgung, und tatsächlich, hinter der eher unscheinbaren und in die Häuserreihe eingepassten Fassade eröffnet sich ein lauschiger Innenhof mit Kreuzgang und einer Sandstein-Treppe, die hinauf ins Kirchenschiff führt. Getragen wird der fromme Betrieb vom Philipp-Neri-Institut, das unter Probst Gösche und unterstützt von einem polnischen und einem bayrischen Priester den Messritus in der Alten Form zelebriert – also versus orientem, das alles auf Latein, mit einem wunderbaren Gregorianischen Chor auf der Empore.

Hier treffe ich meinen FB-Freund Steenwerth, der mich gemeinsam mit seinen Spießgesellen und posts erheblich erfreut, zum ersten Mal in Wirklichkeit und werde nicht enttäuscht. Wir sind uns einig: FB ist ein wunderbares Kontaktmedium.

Dazu gesellt sich später Beatrix von Storch mit ihrem Mann und einem weiteren lustigen Freund und Rittergutsbesitzer, und alle schreiten wir sodann frohgemut gemeinsam zu einem  Lokal, um die dortige Schweinshaxe zu verkosten, wie es Brauch ist seit dem Hochmittelalter nach der Beendigung der Messe: ite missa est! (Wörtlich: bitte eine Schweinshaxe!)

Beatrix von Storch zeigt mir auf ihrem Handy Kolonnen von schwarzgekleideten Kämpfern, die am Abend vorher im Dunkeln unten auf der Straße an ihrem Haus vorbeifluteten, um ihrer Betroffenheit und ihrer Trauer über den jähen Entzug ihres Lebensraumes Ausdruck zu verleihen und darauf hinzuweisen, dass ihr Biotop weiterhin bedroht ist, gerade und besonders auch durch die Erderwärmung.

Und dann zeigte mir Beatrix von Storch das lustige Bild auf Instagram, auf dem sie beim Vertilgen eines dickbepackten Döners („mit alles“) zu sehen ist. Um dieser heftig diskutierten kulturellen Aneignung („umstritten“ sagt man heute) ein entschlossenes Bekenntnis zur deutschen Grundordnung entgegenzusetzen, ließ sich die im übrigen polyglotte, kosmopolitische und überaus spaßige von Storch zu einem Foto hinreißen, auf dem wir beide unsere Schweinshaxen verzehren.

In den Tagen zuvor war ich bereits in der Schweiz unterwegs und hatte das Vergnügen, mir von dem wohl bedeutendsten zeitgenössischen Schweizer Schriftsteller und Polemiker Thomas Hürlimann die Schweizer Kernlande zeigen zu lassen, vom Wasser aus, dem Vierwaldstätter See. Am Anleger „Rütli“, unterhalb jener Wiese, auf dem die Eidgenossen ihr Bündnis zum Tyrannensturz schlossen, stiegen Rekruten zu.

Würden sich nicht auch bei uns die Befreiungskriege als Gründungsmythos anbieten?

Als mir Hürlimann dann sein Hausboot mit Bibliothek zeigte und den Dom Perignon von 1960 köpfte, wurde ich doch sehr neidisch. Was für eine bevorzugte, ja geradezu cäsarische Lage zum Lesen! Ein FB-Freund lieferte mir das Stichwort: Die Hadriansvilla in Rom. Ein kreisrundes Refugium, von Wasser umflossen und umschlossen. Dort konnte er im wahrsten Sinne des Wortes alle Brücken hinter sich abbrechen und sich seiner Bibliothek und seinen Studien widmen. Splendid Isolation, wie sie splendider nicht vorzustellen ist.

So freute ich mich, zurückgekehrt, auf meine eigene, in meiner neuen Heimat – der total entschleunigten endlos wolkenspiegelnden Ostseelandschaft mit Frau und Hund.

Matthias Matussek

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  • Ich habe diesen Artikel mit etwas Schmunzeln gelesen. Allerdings auch nachdenklich, denn ich lebe in Berlin.
    Es hat sich hier vieles verändert und leider nicht nur zum Positiven.
    Ähnlich wie Matthias Matuseck gehörte ich als Student zur politisch links denkenden Bevölkerung. Das hat sich mit den Jahren und der Erfahrung gelegt.

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