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Cannabis – Freigabe oder weiterhin Verbot? 

 3. November 2021

von  Buergermeinungen

Immer wieder kommt das Thema Cannabis in die öffentliche und politische Diskussion und ist somit auch heute kein neues Thema. Und so wie in der Vergangenheit gibt es in der heutigen Betrachtung von Cannabis weiterhin zwei unterschiedliche Auffassungen. Die eine Auffassung beinhaltet das Ja zur Freigabe und die andere Meinung besteht weiterhin auf ein Verbot.

Der Begriff „Cannabis“ ist das lateinische Wort für Hanf und Hanf ist zunächst eine Nutzpflanze, die aus dem Bereich Indien/China kommt. Die Hanfpflanze wurde von den Menschen unterschiedlich verwendet, als Rohstoff für Kleidung, als Verbandsstoffe und ebenso zur Herstellung von Schiffstauen. Des Weiteren wurde diese Pflanze als Medizin in der Vergangenheit und auch heute noch bei erkrankten Menschen verwendet. Da jedoch die Cannabispflanze auch die Wirkung hat das seelische – und körperliche Wohlbefinden von Menschen zu verändern, nahmen und nehmen bis heute Menschen Cannabis als Genuss- und Rauschmittel ein. Mit der Zeit wurde diese Eigenschaft von Cannabis durch unterschiedliche Kreuzungen von Hanfpflanzen verstärkt, da der Bedarf die Cannabispflanze als Genuss- und Rauschmittel zu verwenden weltweit anstieg.

Aus diesen heutigen, über Jahre hinweg gezüchteten Cannabispflanzen, werden nun mit den Drogen Marihuana und Haschisch große Summen von Geld erzielt. Da doch eine Vielzahl von Bürgern den Unterschied zwischen Marihuana und Haschisch nicht kennt, möchte ich diesen Unterschied mit wenigen Hinweisen mitteilen.

Marihuana nennt man die zerkleinerten, getrockneten Blütenstauben der weiblichen Cannabispflanze. Diese getrockneten Teile der Pflanze werden auch „Gras“ genannt und geraucht, ähnlich wie Tabak. Das zusammen gedrehte Marihuana heißt „Joint“ und das Rauchen eines solchen Joints wird als „kiffen“ bezeichnet.

Haschisch wiederum ist das Harz der weiblichen Cannabispflanze. Dieses Harz wird aus der Pflanze gepresst und in Päckchen verpackt. Dieses gewonnene Haschisch wird dann vor dem Gebrauch in eine Pfeife oder Bong gesteckt und anschließend geraucht. Zuvor wird es jedoch zerbröselt oder zu einer dünnen Wurst gedreht. Haschisch wird aber auch als Zutat beim Herstellen von Gebäck verwendet, um durch den Verzehr von diesem Gepäck die Wirkung der Droge auf den seelischen und körperlichen Zustand zu erfahren.  Nach Mitteilung ist bei der Einnahme von Haschisch die Rauschwirkung stärker, als bei der Verwendung von Marihuana.

Weitere Hinweise über die Pflanze Cannabis, ihre Verbreitung in dieser Welt und was zu ihrem Verbot führte, kann man sehr gut im Internet nachlesen, so dass ich darauf nicht eingehe.

Sondern ich möchte vielmehr meine Erkenntnisse und Erfahrungen als ehemaliger Polizeibeamter mitteilen. In der zweitgrößten Stadt von Baden-Württemberg war ich einige Jahre im Streifendienst tätig, um danach dreißig Jahre als Ermittlungsbeamter der uniformierten Polizei zur Aufklärung von Straftaten und Bekämpfung der Straßenkriminalität meinen Dienst zu tun. Hierbei ließ ich mich auch speziell als Jugendsachbearbeiter ausbilden, da mir Kinder, Jugendliche und Heranwachsende immer schon wichtig waren. Des Weiteren erfuhr ich auch eine Ausbildung als Suchtkrankenhelfer, den mir die Polizei bezahlte. Ursache für meine Entscheidung mich als Suchtkrankenhelfer ausbilden zu lassen war, dass eine mir sehr nahestehende Person mit Sucht zu tun hatte. Die Aufgabe eines Suchtkrankenhelfers ist es eine suchtabhängige Person in die Abstinenz zu begleiten und den nahestehenden Personen von einem solchen Menschen durch Gespräche Hilfe zu geben. Durch diese beiden Ausbildungen, Jugendsachbearbeiter bei der Polizei und ehrenamtlicher Suchtkrankenhelfer,  bekam ich als Polizeibeamter eine neue Sichtweise auf die Drogenproblematik mit Cannabis.

Sehr oft hört man bei entsprechenden Diskussionen den Hinweis, dass Cannabis die Einstiegsdroge sei, doch dem ist nicht so. Die Einstiegsdrogen bei jungen Menschen sind die legalen Drogen Alkohol und Tabak. Die jungen Menschen, die wegen Cannabis zur Anzeige gebracht wurden, hatten vor ihrem ersten Gebrauch von Cannabis bereits Alkohol- und Nikotin konsumiert. Manche schon über einen längeren Zeitraum, andere etwas kürzer, aber nie war ein junger Mensch dabei, der von „null“ ausgehend zu Cannabis gekommen wäre. Die Strafen gegen die Personen, die wegen Cannabis zur Anzeige gelangt waren und die Gespräche mit ihnen, haben bei diesen jungen Leuten keine Sinnesänderung bewirkt. Oft wurde mir von diesen jungen Personen vorgehalten, dass Alkohol und Nikotin in ihrer Wirkung schlimmer seien, als das Rauchen von Marihuana.

Da ich vierzig Jahre im gleichen Revierbereich meinen Dienst tat, hatte ich entsprechendes Hintergrundwissen über manche Familie und konnte langzeitige Beobachtungen machen. Manche der jungen Leute hörten, als sie immer mehr in das Erwachsenenalter kamen, von sich aus auf die Droge Cannabis weiterhin zu konsumieren. Und das war die größte Gruppe. Eine weitere Gruppe tat dies nicht und konsumierte auch im fortgeschrittenen Alter weiterhin diese Droge, doch fiel jedoch als Erwachsene kaum auf. Und dann gab es die dritte Gruppe, die Personen die stark abhängig geworden sind von der Droge Cannabis und durch ihr Suchtverhalten immer wieder auffielen, sowie auch durch Straftaten. Und manche von diesen Personen starben sehr früh, wobei ich den Hinweis geben muss, dass diese von Cannabis abhängigen süchtigen Personen in der Regel auch noch andere Drogen konsumierten.

Auf Grund meiner Erfahrungen und Erlebnisse als Polizeibeamter und auch als Suchtkrankenhelfer kann ich sagen, dass es Menschen gibt, die Cannabis eine Zeitlang als Droge missbrauchen, jedoch nicht abhängig werden und nach einigen Jahren zu dieser Droge nein sagen und diese nicht mehr konsumieren. Dann gibt es Menschen die diese Droge immer wieder für sich in Anspruch nehmen, hierbei jedoch nicht abhängig werden und im sozialen Bereich nicht mehr und nicht weniger auffallen, als andere Menschen die keine Drogen konsumieren. Bei der dritten Gruppe geht es um Menschen, die körperlich und seelisch von dieser Droge Cannabis abhängig geworden sind und ohne Selbsthilfegruppe und Therapie es in der Regel nicht schaffen von dieser Droge wegzukommen. Übrigens findet man diese drei Gruppen auch im Bezug auf Alkohol. 

Bei dem Thema Cannabis wird oft der Hinweis gegeben, dass Neugier, Abenteuer, etwas Neues auszuprobieren oder sogar angeben zu wollen, Motive seien warum junge Menschen zur Droge greifen.

Dies würde ich auch nicht ganz abstreiten, aber das wahre Motiv liegt auf einer anderen Ebene. In den Gesprächen mit den Jugendlichen und Heranwachsenden ergaben sich Hinweise auf deren Schwierigkeit den Lebenssinn zu erkennen und dies oft verbunden mit Unzufriedenheit mit der eigenen Person, mit Enttäuschung über die Familie der man angehört und mit der Ungerechtigkeit in der Gesellschaft die man nicht ändern kann.

Wenn junge Leute die Cannabis konsumierten kontrolliert wurden, waren die Gespräche nicht immer einfach, aber meistens ohne Aggressivität. Wenn jedoch die Personen zu ihrem Drogenkonsum zusätzlich Alkohol tranken, war die Situation eine andere. So kann ich als ehemaliger Jugendsachbearbeiter der Polizei sagen, dass die Wirkung von Cannabis in Verbindung mit Alkoholgenuss aggressiv macht. Wenn Personen unter Einwirkung von Cannabis und Alkohol stehen, ist es fast nicht möglich in friedlicher Weise die Kontrolle durchzuführen, denn die unter Drogen und Alkohol stehende Person ist sehr schnell bereit Gewalt einzusetzen. 

Was noch hinzu kommt ist die Tatsache, dass oft die Cannabisprodukte durch weiteres Material gestreckt wurden, und daher die Einnahme von gestrecktem Cannabis für die körperliche Gesundheit sehr gesundheitsschädlich ist.

Bei dem Thema Cannabis machen viele Politiker und Bürger sehr schnell den Gedankensprung zum Heroin. Cannabis und Heroin sind zwar Drogen, aber in ihrer Wirkungsweise jedoch sehr unterschiedlich. Wenn ein Heroinabhängiger auf Entzug kommt, dann kann er diesen mit Cannabis nicht stoppen. Weil eben eine Unterschiedlichkeit in der Wirkung besteht. Cannabis ist kein Ersatz für Heroin. Alkohol ist es jedoch schon. Daher kann ein Heroinabhängiger seinen Entzug mit Alkohol sehr stark vermindern.

Nach meiner persönlichen Auffassung hat die Polizei bis heute den Kampf auf dem Gebiet Cannabis nicht gewonnen und wird ihn auch nicht gewinnen. Da sollte man die Realitäten nicht ausblenden. Es ist nun einmal eine Tatsache, dass immer wieder Menschen ja zur Droge Cannabis sagen. Und weil das so ist  bestehen für kriminelle Banden die Möglichkeiten weiterhin große Geldsummen zu erzielen. 

Ich selbst muss eingestehen, dass ich kein klares ja und kein klares nein zu diesem Thema sagen kann, neige aber mehr zu einem Ja zur Freigabe. Das hängt auch mit der Geschichte der heutigen legalen Drogen Coffein und Nikotin zusammen. Es gab eine Zeit in Europa, da waren in vielen Ländern das Kaffeetrinken und Tabakrauchen verboten und wurde streng von der staatlichen Obrigkeit verfolgt und von den Gerichten hart bestraft. Ähnlich war es auch in den USA beim Verbot von Alkohol. Obwohl es diese Verbote gab, tranken die Menschen heimlich Alkohol, genossen Kaffee und rauchten Tabak. Die Verbote bewirkten bei den Menschen keine Verhaltensveränderungen, aber sie bewirkten, dass kriminelle Organisationen entsprechende Strukturen erschufen, um die verbotenen Drogen zu den Menschen zu bringen, die danach verlangten. Hierbei haben diese mafiaähnlichen Gruppen, in der Vergangenheit und bis heute,  hohe Geldsummen erzielt auf die der Staat keinen Zugriff hat. Und diese Geldsummen werden dann wieder in betrügerische Weise durch „Geldwäsche“ in den allgemeinen Finanzablauf eingebracht. 

Sollte es zu einer Freigabe von Cannabis kommen, müsste dies jedoch nach meiner Auffassung an strenge Regeln gekoppelt sein.

Der erste Schritt wäre eine Aufklärung in der Schule, beginnend mit dem vierzehnten Lebensjahr. Jedoch nicht im Sinne „man darf das oder nicht“, sondern im Mittelpunkt der Aufklärung müsste der Sachverhalt stehen, warum manche junge Menschen in ihrem Leben zur Droge greifen. Der nächste Bereich wäre das Thema „Selbstschutz“. Wie kann sich ein junger Mensch selbst vor dem Entschluss Droge zu nehmen schützen. Hierzu muss dem jungen Menschen Hintergrundwissen vermittelt werden, damit dieser seine eigene Person einschätzen kann. Der junge Mensch sollte gestärkt werden ein „nein“ zur Droge zu sagen. 

Die zweite Maßnahme wäre, dass man nur in bestimmten Geschäften reine und nicht gestreckte Cannabisprodukte kaufen kann.

Und zum Dritten müsste eine genaue Überprüfung in den Ländern erfolgen, in denen bereits Cannabis freigegeben wurde. Wie ging dort der Cannabiskonsum zurück oder nehmen mehr junge Leute nun Cannabis als Droge ein. War ein Rückgang der Beschaffungs- und Drogenkriminalität festzustellen oder hat sich diesbezüglich keine Veränderungen ergeben.

Ich selbst bin der Überzeugung, dass junge selbstbewusste Menschen, die zu ihrem Leben ja sagen können, auch bei einer Freigabe nicht anfällig sind die Droge Cannabis  zu konsumieren.

Helmut Krcal, PHK i.R.

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