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Corona 2020: Gravierende Zukunftsfolgen für Jugendliche, Auszubildende und Studenten 

 24. Juli 2020

von  Peter Joecken

Wie jedes Jahr, pünktlich zu Beginn der Sommerferien, ist das Schuljahr zu Ende und etwa eine Million junger Menschen macht sich auf den Weg ins Berufsleben, sei es durch Ausbildung oder über ein Studium. Es ist ein gut eingespielter Mechanismus, der auch dank des dualen Ausbildungssystems und der in genügender Anzahl zur Verfügung stehender Studienplätze an Universitäten und Fachhochschulen bislang gut funktioniert hat.

Doch funktioniert er in Corona-Zeiten auch noch? Oder ist Sand in das Getriebe dieser sehr präzise aufeinander abgestimmten Abläufe geraten? Ich würde die Behauptung aufstellen, dass dies leider der Fall ist.

Denn: Seit Anfang dieses Jahres läuft nicht nur die schulische Bildung sehr stockend, sondern die Vorbereitungen für eine spätere Berufsausbildung – in Form von Bewerbungstraining in der Schule und schulische Betriebspraktika – sind unvollständig bis teils überhaupt nicht erfolgt.

Darüber hinaus stellt sich die Frage: Welches Unternehmen möchte sich in Zeiten von Corona, mitten im nackten Kampf um die eigene Existenz, noch zusätzlich mit Azubis belasten? Hinzu kommen organisatorische Unwägbarkeiten: Ich selbst bilde selbst im gewerblichen Bereich aus und weiß leidvoll um die Problematik verschobener Prüfungstermine wegen des pandemiebedingten Unterrichtsausfalls an den Berufsschulen.

Hinzu kommt die schiere Unmöglichkeit, den vorgeschriebenen Ausbildungsrahmenplan auch nur halbwegs einhalten zu können, weil keine Prüfungstermine festgelegt werden und eine wichtige Zielmotivation für junge Azubis wegfällt.

Versetzt man sich in die Lage der Azubis, so lässt sich leicht nachvollziehen, dass es unter diesen Umständen so gut wie illusorisch ist, sie motivierend und zukunftsorientiert bis zum Ende ihrer Berufsausbildung zu begleiten. Ist es in Corona-Zeiten verwunderlich, wenn sie Schwierigkeiten haben, für sich irgendwelche Zukunftsvisionen zu entwickeln?

Gerade in den durch die Pandemie arg bedrohten Berufszweigen – Gastronomie, Hotelfach, Veranstaltungsgewerbe und Touristik – herrscht eine große, kollektive Verunsicherung bei den Azubis. Sie wissen derzeit nicht einmal, ob sie ihre Ausbildung je beenden können – geschweige denn, wie es um die Perspektiven der späteren Berufswahl nach ihrer Ausbildung bestellt sein wird. Zu Recht fragen sich viele, ob sie überhaupt je eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben werden, ihren erlernten Beruf ausüben zu können.

Betrachtet man die Ausbildungszahlen 2019 laut Statista (https://de.statista.com/), so haben letztes Jahr 514.400 junge Menschen einen Ausbildungsplatz erhalten. Wird diese Größenordnung auch dieses Jahr wieder erreicht? Sicherlich nicht.

Schon alleine die Einhaltung der Vorschriften, die zur Sicherstellung der Covid-Regeln notwendig sind, führen zu einer erheblichen Reduzierung der Platzkapazitäten in den Unterrichtsräumen und den Berufskollegs. Die heutigen, sehr umfangreichen Ausbildungsinhalte lassen sich auch nicht beliebig ohne Qualitätsverlust reduzieren. Mir ist nicht bekannt, ob es derzeit überhaupt Überlegungen seitens der Verantwortlichen gibt, Lösungsmöglichkeiten für den sich abzeichnenden (und eigentlich nur logischen) „Flaschenhalseffekt“ zu erarbeiten. Und: Wir wissen noch nicht einmal, ob es nach den Sommerferien überhaupt zu einem Regelbetrieb an Kitas, Schulen, Universitäten oder Fachhochschulen kommen wird.

Der Überhang an wegen Corona nicht bewältigten und damit noch offenen Ausbildungsgängen ist gewaltig. Bachelor- und Masterarbeiten türmen sich schon jetzt unkorrigiert in beängstigender Fülle vor den Lehrkräften auf. Viele studienbegleitende Praktika wurden abgebrochen, von jetzt auf gleich. In den Vorlesungssälen wurden die Platzkapazitäten für die Studierenden wegen der Einhaltungspflicht der Abstandsregelung um ein gutes Drittel reduziert. Wer sich vergegenwärtigt, dass die Säle schon vor der Coronakrise aus allen Nähten platzten, der mag sich gar nicht vorstellen, wie viele junge motivierte und lernwillige junge Menschen nun im wahrsten Sinn des Wortes außen vor gelassen werden.

Ist es angesichts all dieser geschilderten Umstände nicht geradezu perfide, dass die Förderprogramme der Bundesregierung für Azubis – 2000 Euro pro Kopf monatlich – nur dann gewährt werden, wenn der beantragende Betrieb oder das Unternehmen nachweislich nicht in der Lage ist, die Ausbildung wie bisher „aus eigenen Mitteln“ zu bestreiten? Im Klartext heißt dies: Nur im Fall einer drohenden oder bereits eingetretenen Insolvenz sind die betreffenden Betriebe und Unternehmen „qualifiziert“, an diesen Förderprogrammen zu partizipieren. So, und nicht anders sind tatsächlich die Bedingungen.

„Verkaufen“ lassen sich diese scheinbar großzügigen Fördermaßnahmen sich dies im Sinne einer Wahlstrategie für die etablierten Regierungsparteien natürlich sehr gut; doch in der Praxis wirken sie sich eher nachteilig aus.

Ist es angesichts dieser Gesamtsituation für Azubis und Studieninteressierten nicht verständlich, wenn diese zunehmend demotivierter werden? Sie sehen einer zweifelhaften Zukunft entgegen, ihnen fehlt die berufliche Perspektive und – nicht zu unterschätzen – sie werden von den verantwortlichen politischen Instanzen und den zuständigen Behörden einfach in der Luft hängen gelassen.

Und angesichts dieses für unsere jungen Menschen schon düster genug anmutenden Zukunftshorizont spricht die Bundesregierung dann auch noch zunehmend von der „zweiten Welle“ der Pandemie. Durch Erlebtes lernen junge Menschen am besten: Ich stelle mir vor, wie sie mit solcherlei Panik verbreitenden Ankündigungen und Mutmaßungen der Bundesregierung wohl umgehen. Viele werden sich fragen, was aus ihnen wird.

Sie werden sich fragen, ob sie je wieder unbefangen Freunde treffen können, ob sie je wieder unbeschwert Sport treiben dürfen, ob sie je wieder in Clubs oder Discotheken eine Freundin oder Freund kennenlernen können, ob sie überhaupt eine je Familie gründen werden. Kurzum: Sie fragen sich, sie jemals die frühere Lebensqualität und gesellschaftliche Normalität genießen werden.

Und wenn sie dann erleben, wie die gewählten Volksvertreter in Berlin immer öfter in Themenbereiche abdriften, die trotz dieser offensichtlich epochalen Pandemiekrise unbedingt noch „nebenbei“ bearbeitet werden müssen – ich nenne beispielhaft die Gender-Diskussion oder die Debatten über Veränderungen des Wortlauts unseres Grundgesetzes -, dann muss man sich nicht wundern, wenn immer mehr junge Menschen aufmüpfig und rebellisch reagieren.

Das Schlimme ist bei alldem, dass unabhängig von der vielbeschworenen „zweiten Welle“ (ob sie nun kommt oder nicht) die mittelfristigen Folgen der Lockdown-Maßnahmen erst im letzten Quartal dieses Jahres erst richtig durchschlagen werden. Die Eltern geraten vielleicht erneut in Kurzarbeit oder werden arbeitslos, die wirtschaftlichen Verhältnisse innerhalb vielen Familien werden zum Teil dramatisch einbrechen. Die daraus resultierenden sozialen Auswirkungen auf die Jugend in unserer Gesellschaft sollten uns Sorgen bereiten.

Es ist kein Wunder, dass all diese tristen Zukunftsperspektiven bei einem Großteil der Jugendlichen unweigerlich negative Ausgleichsmechanismen in Gang setzt – zu denen Alkohol- und Drogenkonsum ebenso zählen wie erhöhte Neigung zu Kriminalität oder die Hinwendung zu Weltanschauungen, die es ihnen erlauben, ihrer Frustration an der Gesellschaft freien Lauf zu lassen. Im Regelfall sind dies linke Ideologien, weil das sozialistische Weltbild mit seinen revolutionären Umsturzgedanken ihnen die gegenwärtig besten Ventilationsmöglichkeiten zur Kompensation ihres Unmut anbietet. Zudem ist Rechts ja „mega-out“, und die Mitte ist einfach zu „spiessig“.

Wie schnell kommt es zu ersten kleinkriminellen Handlungen, wenn einem alles egal ist und wenn man kaum oder überhaupt kein Geld in der Tasche hat; und wie schnell sind dann oft die rechtsstaatlichen Grenzen überschritten. Es folgen Strafanzeigen, die Konfrontation mit Polizei und Justiz und allen sich daraus ergebenden Konsequenzen.

Dann sind die „Bullen“ einfach „uncool“ und man beginnt, sich aktiv gegen die gesellschaftlichen Normen und Rechtsvorschriften aufzulehnen. Wird diese Eskalationsspirale nicht frühzeitig durchbrochen, so führt dies oft zu Haftstrafen. So manche kriminelle Karriere nahm so ihren Anfang.

Umso wichtiger ist hierbei der Resozialisierungsaspekt. Ich zitiere an dieser Stelle aus der Zeitschrift Heidenhain/Klartext, Ausgabe 71 + 05/2020 Seite 10, Absatz 2: „Im Alltag der JVA ist die Arbeit und ganz besonders eine Ausbildung ein wichtiges Instrument, um den Häftlingen eine Struktur zu geben.“ Denn fehlende Alltagsstrukturen im bisherigen Leben der Häftlinge sind ein häufiger Grund für die Straffälligkeit. Umso wichtiger ist es in Corona-Zeiten dafür Sorge zu tragen, dass sich diese Strukturen nicht vollends auflösen.

Ich möchte meinen Beitrag schließen, mit dem ich versuchen möchte, die öffentliche Meinung zu sensibilisieren und ein Problembewusstsein zu schaffen. Ich komme selbst leider nicht umhin zu bekennen, dass ich angesichts der Komplexität der aufgezeigten Probleme reichlich ratlos bin. Und doch ich möchte nicht dazu schweigen – und resignieren schon gar nicht.

Ein Beitrag von D. Feller / P. Joecken


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Euer Peter Weber und Team

  • Anklagen wird nichts bringen wenn die adressierte Seite schon seit langer Zeit eine bleierne Gleichgültigkeit an den Tag legt. Wer seine Opferrolle akzeptiert, hat schon verloren. Die gegenwärtige Situation ist bekannt und zu verfahren um sich von selbst noch ändern zu können.

    Gravierende Verwerfungen im Bildungsbereich gab es allerdings auch schon vor der Corona- Geschichte. Viel zu viele junge Menschen können über den ganzen Tag über Klimaschutz diskutieren aber niemand die Klimaanlage reparieren oder sind in Genderfragen fit, können aber kein Unternehmen aufbauen – und sei es eine Bulettenbude… Alles bekannt und ausgiebig beklagt. Auch diese Strukturen waren aus sich selbst heraus nicht mehr reformierbar weil sie aus „sehr präzise aufeinander abgestimmten Abläufe“n bestehen. Jetzt brechen sie ein und es weht wieder frischer Wind, den es zu nutzen gilt.

    Der erste Schritt zur Veränderung ist stets, sich mentale Freiräume zu schaffen, sich vom Denken her unabhängig zu machen und den von außen gesteckten Rahmen nicht mehr zu akzeptieren. Gerade in lange erfolgreichen und durchorganisierten Gesellschaften, wie der unseren fällt dies natürlich sehr schwer.

    Für den Bildungsbereich bedeutet das den Aufbau eigener Strukturen, die auf den Schultern der Nutznießer stehen und von diesen gesteuert werden – das duale Bildungssystem ist da eigentlich ein guter Ansatz – es wird aber von der Politik sträflich vernachlässigt.

    Zum Glück ist Wissen kein knappes Gut – es vermehrt sich, wenn man es teilt. (vgl. die Freie Software Bewegung oder die Creative Commons). Moderne Technologien helfen dabei, die Informationen zeitnah und kostengünstig ans Ziel zu bringen. Das ermöglicht es, dezentrale Strukturen mit wenig Aufwand und selbst unter den heutigen Bedingungen aufzubauen. Nutznießer („Stakeholder“) sind Eltern, Ausbildungsbetriebe, Lehrer und Erzieherinnen sowie alle Interessierten. Vermittelte Inhalte sollen sich um Naturwissenschaften, praktische Dinge und um die Beherrschung der Sprache drehen – also der klassische Bildungskanon.

    Es ist Zeit, daß wir das wertvollste, was wir haben – unsere Kinder – nicht mehr kritiklos dem Staat mit seiner mehr als dürftigen Erfolgsbilanz – in die Hände geben. Es muß nur jemand anfangen, das bislang undenkbare zu denken.

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