27. August 2020

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Die Deutschen und Trump: Der Zorn der Selbstgerechten

Deutsche Haltungs- und Kampagnenjournalisten maßen sich an zu bestimmen, wer sich als US-Präsident eignet

In der amerikanischen Verfassung, präzise: in Artikel II, Abschnitt 1, Absätze 2 und 3, ist festgelegt, dass der US-Präsident gewählt wird von Wahlmännern der US-amerikanischen Bundesstaaten, die wiederum von den Wahlbürgern des jeweiligen Staates in unterschiedlichen Verfahren nominiert werden müssen. Zuständig für die Besetzung dieses Amtes ist somit der Souverän, die US-Bevölkerung.

Verfolgt man allerdings die Berichterstattung nahezu ausnahmslos sämtlicher deutscher Medien – von Tageszeitungen über öffentlich-rechtliche Sender bis zum Privatfernsehen -, so könnte man den Eindruck gewinnen, es sei das Privileg deutscher Journalisten zu bestimmen, wer die angebliche politische und charakterliche Eignung aufweist, um die politischen Geschicke der USA zu lenken.

So wenig die auf links gezogene deutsche Polit-Intelligenzja, als Folge der naheliegenden Vermählung von Antipathie gegen diesen speziellen Präsidenten mit systemischem anti-amerikanistischem Grundrauschen, die innenpolitischen Gründe für Trumps Wahl begreifen mochten, so wenig haben sie verstanden, dass Trump nicht der Grund für die gesellschaftliche Spaltung in Amerika ist, sondern deren Folge. Das ist der entscheidende Unterschied zu Deutschland: Hier war es die Politik einsamer Entscheidungen einer machtopportunistischen, völlig rückgrat- und verantwortungslosen Kanzlerin, die den gesellschaftlichen (und ethnischen) Zusammenhalt irreparabel beschädigte. In den USA verlaufen die Fronten zwischen libertären Verteidigern bürgerlicher Freiheitsrechte und nationaler Interessen einerseits, und als sozialistisch empfundenen etatistischen Bestrebungen des „Deep Left State“ andererseits.

Genau das, wofür die US-Demokraten hierzulande gepriesen werden, sind sie weiten Teilen des konservativen und liberalen Amerikas suspekt: Sie stehen für einen wirtschaftlichen Ausverkauf der USA zugunsten des „Global Conquerers“ China, für eine nie solide durchfinanzierte Zwangskrankenversicherung, für  Beschränkungen von Grundrechten (inklusive freiem Waffenbesitz), für zunehmende Einflussnahme supranationaler Organisationen. Trump wurde gewählt – und wird mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit wiedergewählt – weil er für das exakte Gegenteil steht: Er will illegale Einwanderung bremsen, nicht fördern. Er nimmt seinen Amtseid ernst, die Belange des eigenen Volkes gegenüber Interessen des Auslands zu stellen. Er lehnt das Hineinregieren globaler Bürokratien in amerikanische Belange ab, wie sie sich etwa aus Klimaabkommen, der WHO-Mitgliedschaft oder dem UN-Migrationspakt ergeben.

All dies macht ihn zur ultimativen Zielscheibe von Deutschlands Linken, und da diese die Bundesrepublik vom Haupt bis zu den Gliedern durchdrungen haben, schwingt auch der Resonanzboden unserer Medien nur in einer Frequenz, vor allem der öffentlich-rechtlichen und regierungsloyalen Anstalten und Verlage. Verhasst war Donald Trump schon vor seinem überraschenden Einzug ins Weiße Haus vor vier Jahren. Tief saß Ende 2016 der kollektive Schock einer ganzen Generation von gesinnungsfesten Schreiberlingen und TV-Redakteuren über diesen Reality-Glitch, diesen offenkundigen Webfehler in der Matrix, der ihre heile Welt nach zwei Obama-Amtszeiten und acht Jahren unkritischem Wohlfühl- und Kuscheljournalismus jäh aus den Fugen trieb. Und wenn sie seitdem nicht an ihrem Zorn erstickt sind, dann arbeiten sie sich noch heute am Feindbild Trump ab, diesem Inbegriff des „alten weißen Mannes“ (und überhaupt all dessen, was weltanschaulich geschulte „Framer“ und Meinungsmacher aus tiefstem Inneren verachten).

An jedem Präsidenten gab und gibt es viel zu kritisieren, und erst recht an diesem. Doch mit sachlicher und nüchterner Kritik hatte ausnahmslos alles, was wir über Trump hier hören, sehen und lesen, vom ersten Tag seiner Amtszeit an nicht das Geringste zu tun. Es ist eine pausenlose Propaganda, die es selbst unvoreingenommenen politischen Beobachtern ohne regelmäßige Rezeption des heutigen „Westfernsehens“ in Gestalt seriöser ausländischer Publikationen (etwa der „Neuen Zürcher Zeitung“) schwer bis schier unmöglich macht, ein vielschichtigeres Lagebild der US-Politik zu erhalten. Denn fair wurde über Trump hierzulande noch nie berichtet, und objektiv schon gar nicht.

Wo immer er positiv überraschte (Nordkorea- und Iran-Politik, Binnenkonjunktur, Beschäftigung) oder seine Wahlversprechen erfolgreich umsetzte, wurden die Erfolge zerredet oder zum eigentlichen Späterfolg seines Vorgängers umgedichtet. Was ihm hingegen misslang, war stets Ausweis seiner Unfähigkeit. Dass bis heute praktisch keine einzige der Schmutzkampagnen seiner politischen Gegner verfing, die von den sogenannten „seriösen Leitmedien“ in Deutschland stets sogleich als erwiesene Tatsachen kolportiert wurden – vom Märchen der angeblich gekauften oder von Russland ferngesteuerten Wahl über diverse Vergewaltigungs- oder Harassment-Vorwürfe bis hin zum angeblich unvermeidlichen Impeachment – das focht die geschworenen Trump-Basher nicht an. Das Medienestablishment hüben wie drüben  -von Jeff Bezos‘ „Washington Post“ über CNN bis hin zu „Focus“, „Süddeutscher Zeitung“ oder RTL, die somit am Ende stets die eigentlichen Fake-News und Fake-Prognosen produzierten –  wechselte einfach stets zum nächsten scheinbaren Aufreger, um das Dogma vom Dauerversagen des „Orange Man“ weiterzutragen.

Im Präsidentschafts-Wahljahr 2020 war es zunächst das angebliche Totalversagen Trumps in der Corona-Krise, die sich als lohnendes Ziel anbot – obwohl die Trump-Administration im Ergebnis die Pandemie bisher nicht schlechter bewältigte als die lockdown-vernarrten europäischen Führer in ihrer neuerwachten Lust am autoritären Regieren. Während in Deutschland 12 Millionen Kurzarbeitsanträge, astronomische Staatshilfen und die Legalisierung der Insolvenzverschleppung zumindest optisch die katastrophalen Auswirkungen der Krise bisher kaschierten, wurden lustvoll die 35-40 Millionen Arbeitslose in den Staaten als scheinbar krachendes Scheitern von Trumps Krisen- und Wirtschaftspolitik gewertet. Hochgerechnet auf die Bevölkerung und unter realistischer Bewertung der volkswirtschaftlichen Schäden ist Deutschland hier in Wahrheit deutlich schlechter aufgestellt.

Nachdem die Corona-Front einschlief, folgte sodann „Black Lives Matter“, wo Trumps Ankündigung, die verfassungsmässige Ordnung gegen linksradikale Umsturzpläne (man denke an Seattle und die „Autonome Zone Capital Hill“ in Seattle, kurz CHAZ) notfalls auch unter Einsatz von Nationalgarde und Militär wiederherzustellen, von hysterischen deutschen Feuilletonisten sogleich als Versuch einer „faschistischen Militärdiktatur“ interpretiert wurde.

Und nun, da der Präsidentschaftswahlkampf in seine heiße Phase eintritt, wird nichts unversucht gelassen, Trump als unfähigen, verrückten Herostraten des Weltfriedens anzuprangern und stattdessen den präsenilen Joe Biden zum Hoffnungsträger zu stempeln – letzterer eine Verlegenheitslösung der Demokraten und in jeder Hinsicht ein Mann von gestern, der im unwahrscheinlichen Falle seiner Wahl die günstigsten Voraussetzungen dafür bieten könnte, dass zum ersten Mal seit Zachary Taylor im Jahr 1850 wieder ein US-Präsident an Altersschwäche im Amt dahinscheidet.

Was immer sich eignet, um das Ende der Trump-Ära zu beschwören, wird hierzulande zur Sensationsmeldung. So konnte man noch vor einigen Wochen bei der Lektüre hiesiger Printmedien den Eindruck gewinnen, als würde Trumps Nominierung wackeln – weil sich einzelne Republikaner gegen ihn stemmten. Jetzt, nachdem er erwartungsgemäß – einstimmig! – nominiert wurde, ist davon wie üblich keine Rede mehr; munter und frisch ans Werk, um die nächsten Salven abzufeuern, heißt es stattdessen für die Agitatoren. Ein neuer Aufreger war längst gefunden: Trumps Widerstand gegen die Briefwahl und seine Manipulationsvermutungen, die nun als versteckte Drohungen interpretiert werden, eine etwaige Wahlniederlage nicht akzeptieren und womöglich „kalt“ putschen zu wollen.

Beim „Spiegel“, dem diesbezüglich mit weitem Abstand übelsten Kampagnenblatt, knüpft man deshalb an frühere Highlights und Perlen journalistischen Artworks an – und setzt Trump zu der Schlagzeile „Operation Wahlbetrug“ aufs aktuelle Heftcover. Es ist bereits das dritte Mal, dass Trump diese zweifelhafte Ehre im laufenden Jahr zuteil wird – nach den bezeichnenden Titeln „The Presidend. Wie Corona den Populisten Donald Trump entzaubert“ und „Der Feuerteufel. Ein Präsident setzt sein Land in Brand“. Unvergessen sind dabei die „Spiegel“-Cover von 2016 und 2017, etwa von der durch Trump blutig geköpften Freiheitsstatue oder vom Präsidenten als todbringender Meteor, der die Erde zerstört. „Leute, euch sind die Sicherungen durchgeknallt“, warf der Schweizer „Weltwoche“-Herausgeber Roger Köppel damals dem „Spiegel“-Co-Chef Markus Feldenkirchen angesichts dieser Berichterstattung auf Stürmer-Niveau an den Kopf. An diesem Befund hat sich seither nichts geändert.

Doch auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen lässt sich nicht lumpen. Als gäbe es in Deutschland gerade keine wichtigeren Themen, arbeitete sich am Montag Frank Plasberg bei „Hart aber fair“ am Thema ab – und wartete mit einem bunten Strauß leidenschaftlicher Trump-Hater auf, die sich nach Herzenslust über das Objekt ihrer Verachtung auskübeln durften. Die Studiogästeliste umfasste eine gänzlich vergessenswürdige „Stand-Up-Comedian“ namens Tamika Campbell, die neben der korrekten Hautfarbe auch noch den passenden Stallgeruch als gebürtige US-Amerikanerin hatte, ferner „European“-Herausgeber Ansgar Graw und Christiane Meier (als Korrespondentin und Leiterin des ARD-Studios in New York quasi das Pendant zu ZDF-Einpeitscher Elmar Theveßen) und, zur Abrundung, CDU-Außenexperte Norbert Röttgen. Hinzu gesellte sich später noch ein mecklenburg-vorpommerscher Bürgermeister, der sich über angeblich erpresserische Post des US-Senats in Sachen „North Stream 2“ ausmähren durfte.

Die undankbare Rolle der einzigen Feigenblatt-Gegenmeinung, die die traute Eintracht störte, übernahm der Sprecher der Organisation „Republicans Overseas Germany“, George Weinberg. Dessen Versuche, ein zumindest ansatzweise differenzierteres Bild von Trumps Präsidentschaft zu zeichnen, zogen nicht nur Tiraden der Mit-“Diskutanten“ inklusive Plasberg nach sich, sondern hatten zur Folge, dass sich Weinberg am nächsten Tag als „Trump-Unterstützer“ und ahnungsloser Trottel im deutschen Pressespiegel wiederfinden durfte. Die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ schrieb etwa, Weinberg habe „mit durchsichtigen Halbwahrheiten nicht nur die anderen Talk-Gäste in Rage“ gebracht, sondern sie „indirekt“ gezwungen, „erst einmal auf seine Provokationen zu reagieren“, was selbst Frank Plasberg „auf Dauer auf die Nerven“ gegangen sei.

Eine einzelne Gegenmeinung als Provokation der Mehrheit: Willkommen im Deutschland des Jahres 2020.

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Euer Peter Weber und Team


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  • Mein Kommentar für Peter Weber direkt:

    ich war sehr beeindruckt von dem Beitrag von Herrn Mattusek. Sehr.
    Ich habe mich in den vergangenen Monaten/Jahren schon deswegen für meinen deutschen Landsleute geschämt, weil die anmaßenden Äußerungen der hiesigen Massenmedien im Verein mit der Politik gegen Trump mir von Anfang an aufstießen. Das diesbezügliche substanzlose, unreflektierte Nachplappern der MSM Parolen durch meine Volksgenossen erschien mir dabei mehr als peinlich. Von der hiesigen Presse war a priori nichts anderes zu erwarten.

    Nach meinen Beobachtungen hat sich daran nichts geändert. Das Propagandagetrommel seit Jahren tut seine Wirkung.

    Meine ehrliche Meinung ist, dass ihre Bemühungen, Herr Weber, anerkennenswert aber vergeblich sein werden. Ich sehe für das Deutschland von heute keine Zukunft.

    Und dennoch, im Verborgenen sagt mir eine schwache Stimme, dass ich mir das alles nicht gefallen lassen soll. Und dass Widerstand das Gebot der Stunde wäre.

    Deswegen zahle ich auch gerne weiterhin meinen Mitgliedsbeitrag, auch wenn er nicht mehr steuerlich abzugsfähig ist.

    Ich wünsche Ihnen und uns viel Glück.

    Mit besten Grüßen,
    Alex B.

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