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Die Kultur im Spiegel – ein Trauerspiel! 

 1. November 2020

von  Matthias Matussek

Ein Freund schickte mir dieser Tage ein Foto des Inhaltsverzeichnisses des Spiegel. Du er lenkte mein Augenmerk besonders auf die Rubrik Kultur. Und die sah aus wie die Katastrophenstelle eines Flugzeugabsturzes, Trümmer, vereinzelte Rauchfahnen, Zerstörung. Ich bildete mir ein, Wimmern und Hilferufe zu hörten.

Die Spiegel-Kultur, sie war eine legendäre Institution. Sie war besonders in ihren Verrissen von einer überaus witzigen Gehässigkeit, besonders Autoritäten gegenüber, ich erinnere mich noch an einen verriss von Günter Grass „Butt“, den ich als Student an der FU las und in der Mensa losprustete.

Das war noch der alte Spiegel, der gebildete, der hochmütige, der alleswissende – der Spiegel, den Enzensberger einer gnadenlosen Sprachkritik unterzogen und in die Tonne getreten hatte.

Was haben sie dem Affen Zucker gegeben schon in den Titeln. Zum Beispiel wenn Peter Stolle, ausgerechnet der schmale Stolle, mit der Zeile kam „Nieder mit der Wampe“ – und der beleibte Ressortleiter Karasek hat es nicht als Aufruf zur Meuterei verstanden, für Zeilen wie „Glück an der Maus“ über Computernerds oder „Satanische Verve“ über unliebsame Chefs gab er einen aus. Schön war auch „Tannenzapfen in der Hose“ oder, über die Dichterin und Suhrkamp-Chefin Ulla Berkewiczsch, „Völkischer Bettnässer“, oder über RTL „Stabhochsprung mit der Salzstange“.

Karaseks eigener Klassiker war ganz sicher „In dubio Prosecco“.

Dieser Spiegel war es noch, bei dem ich 1987 unterschrieb. Ein Orden, und wir waren die Ritter. Es gab gegenüber die Zeit, und die Arbeitsteilung war die: wir waren die Raufbolde und die Zeit-Redakteure die mit dem abgespreizten kleinen Finger. Ich musste mir eine Namens-byline eigens aushandeln, die war nämlich beim Spiegel nicht üblich.

Und ich brachte, vom Stern kommend, Reportagen ins Heft, Porträts, ja durchaus auch ungehemmte Bewunderungen, die der Spiegel eher vermied, wenn ich zum Beispiel über Hans Jürgen Syberbergs Zusammenarbeit mit Edith Clever schrieb, die die „Penthesilea“ Kleists aufführten – als Monolog für eine große Diva, die die Clever war.

Es war die goldene Zeit, bis Hellmuth Karasek rausgemobbt wurde von Stefan Aust, der keine Stars neben sich mochte: Ihm wurde die Alternative zwischen Spiegel und TV gestellt – er entschied sich für TV, fürs literarische Quartett, für die SKS-Millionenlotterie und er wurde „der Karasek“, der auf der Liste der beliebtesten Deutschen auf Platz 17 landete.

Als ich antrat, nach Stationen im Ausland, in New York, Rio de Janeiro, London, war die Kultur im Spiegel in einen linksmuffigen Winterschlaf übergegangen, und ich brauchte jede Menge Energie, um dieser Truppe als neuer Chef Leben einzuhauchen, auch gegen die Leitung des Hauses.

Doch allmählich war wieder, wie die taz schrieb, „Rock n Roll“ im Laden. Allerdings nicht so, wie es sich das Haus erhoffte, und am allerwenigsten das Ressort, denn ich war eher aufs Konservative aus, auf Tradition, auf Werte, auf all das, was der linke Globalismus uns aus den Regalen fegte: ich fand, dass die radikalste Position diejenige war, die sich dem trivialen Ausverkauf an die Postmoderne verweigerte.

Meine erste Titelgeschichte schrieb ich über Mozart. Viele weiter sollten folgen, etwa über die Deutsche Romantik, über Heinrich Heine, über Georg Büchner, über den literarischen Kanon unseres Volke der Dichter und der Denker, denn auch über Hermann Hesse (dem mit knapp 1 Mio. Exemplaren meist verkauften Heft des Jahres 2012) kann man so hämmernd schreiben wie über ein Rockkonzert. Und wenn Hegels „Phänomenologie des Geistes“ 200. Jubiläum feiert, redet man darüber auf 8 Seiten mit Sloterdijk, Safranski, Lissmann in einem Philosophischen Quartett.

Ich habe mit diesem Kulturteil weithin sichtbar etwas gewollt, ich habe die Schätze ausbreiten wollen, mit denen wir Deutschen geistesgeschichtlich ausgestattet sind, und dass mein Buch „Wir Deutschen“ 2006 die Bestsellerlisten eroberte, ließ den Linken im Haus den Hals mächtig anschwellen.

Bildung macht Spaß, unter dem Motto habe ich am 50.Todestag von Bert Brecht und Gottfried Benn einen Wettstreit ausgerichtet, beide starben am gleichen Tag, und ich stritt mit einem jungen Dichter darüber: wer war besser, Brecht oder Benn, ich war für Benn…

Ich habe eine Weltbibliothek ins Leben gerufen, Dichter wie Enzensberger oder Walser rezensieren Standardwerke der Weltliteratur auf 50 Zeilen, solche Sachen, es war lebendig, es war durchpulst, es war die wichtigste Sache der Welt, von denen wir Woche für Woche in mindestens 10 Geschichten erzählten.

Ich bin dann, wie Karasek, geschasst worden, weil ich zuviele Talkshows besuchte und nebenher eine durchaus beglückende Reihe von TV-Feuilletons produzierte für die ARD, unter dem Titel „Matusseks Reisen“, über den Glauben, über die Schönheit, über die Romantik.

Das entzog mir den Rückhalt des auf meine Popularität neidischen Stefan Aust, und dann kamen die Intrigen der Frauen dazu, die mir meinem antifeministischen Bestseller „Die Vaterlose Gesellschaft“ gram waren, eine der intrigantesten war Marianne Wellershof, die später Stefan Aust stürzte, und ihre Spießesellin Susanne Beyer, der ich gerade noch in den Arm fallen konnte, als sie, mit getürkten Zitaten, den konservativen Schlosserbauer Wilhelm von Boddien abschießen wollte.

 Ich hatte verlangt, dass sie ihren Gewährsmann, einen Anwalt, in meinem Beisein über Lautsprecher anruft – der konnte sich nicht erinnern, die von ihm zitierten Aussagen getan zu haben. Das aber hat sie qualifiziert, bald zur stellvertretenden Chefredakteurin aufzusteigen.

Und was die Männer aus dem Ressort anging, es waren Popdiven und auch sie stellten sich auf die Hinterbeine, und es waren besonders diejenigen, die ich selber eingestellt hatte, die nun die Messer gegen mich wetzten.

Kaum war ich weg, fiel das Ressort wieder in sich zusammen, ein Ressortleiter aus dem Sport übernahm, und da es keine leidenschaftlichen und kompetenten Persönlichkeiten mehr an der Spitze gab, wurden die Räume für die Kultur enggemacht, denn die Heftumfänge verkleinerten sich, was sicher nicht an der Kultur lag, sondern an den ausbleibenden Lesern, die den gefälschten Relotiuskitsch über Flüchtlingskinder und den bösen amerikanischen Präsidenten des Gesamtheftes nicht mehr ertragen wollten.

Und das traurige Endergebnis sieht man hier: den Schrottplatz im hintersten Winkel des Heftes, auf dem der Themen-Ausschuss der antifaschistischen Kämpferbrigade im Spiegel landet, also zum Beispiel, was man macht, wenn „sie stramm recht ist und er eher links“.

Nun, was die Beschreibung nicht verrät: es handelt sich um den linken Professor Helmut Lethen und seine junge Frau Karoline Sommerfeld, die beiden wurden bereits dutzende Male beschrieben bis hin zur New York Times, und hier ging es in erster Linie darum, Sommerfeld als Sympathisantin der Identitären fertig zu machen.

Des Weiteren: ein Interview über Joseph Beuys, dem die Nazijäger auf den Pelz rücken, ich schätze, bei der nächsten Beuys-Werke-Schau wird es Krawalle geben, sowie, weiteres Thema, die erschütternde Wahrheit über Leni Riefenstahl, die nämlich „in der NS-Zeit rücksichtslos ihre Karriere verfolgte“. Ach was!

(Ich erinnere mich hier an ein Gespräch mit Ted Turner, dem CNN-Gründer hoch oben in seinem Wolkenkratzer in Atlanta, der Riefenstahl-Filme auf dem Couchtisch liegen hatte und von ihr schwärmte. Lauter Nazis!)

Dieser Kulturteil erinnert an die verschmutzten und zerbröckelnden Mietskasernen der späten DDR, keiner kümmert sich mehr, weil es keinen mehr was angeht, die äußere Verluderung entspricht so vollkommen der inneren, entspricht dem erlöschenden inneren Feuer, der Unlust, noch die geringste Anteilnahme am Lauf der Welt zu zeigen.

Zum Heulen.

Und ich danke Gott dem Allmächtigen, dass er mir erspart hat, diesen Verfall als Kulturchef begleiten zu müssen – meine Ablösung, die ich damals als große Demütigung empfand, stellt sich heute heraus als das Beste, was mir nur widerfahren konnte!

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