.st0{fill:#FFFFFF;}

Die Maske vor dem Gesicht verändert unsere Kommunikation untereinander 

 26. April 2020

von  Thomas Paulwitz

Der Mensch verfügt über unzählige Muskeln im Gesicht. Sie zu verstecken, beeinträchtigt unser Miteinander tief, denn diese Muskeln sind für die zwischenmenschliche Verständigung von herausragender Bedeutung. Die Maskenpflicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln greift daher schwerwiegend in unsere Sprachkultur ein. Nachdem das Händeschütteln gleichsam abgeschafft wurde, ist die Maskierung der zweite große Schlag gegen unsere Kommunikationskultur.
Für ein Lächeln benötigt man angeblich 17 Muskeln, für ein ernstes Gesicht hingegen 43. Demzufolge müßten unsere Gesichtsmuskeln derzeit besonders gut trainiert sein. Das ist wichtig, denn die sogenannte mimische Muskulatur spielt nicht nur für den Gesichtsausdruck eine große Rolle, sondern auch für die Sprachbildung.

Die wichtige Aufgabe von Mimik und Gestik für unsere Sprache bemerken wir besonders dann, wenn sie fehlen. Diskussionen auf Facebook oder Whats-App etwa können sich schneller hochschaukeln, weil wir unser Gegenüber weder hören noch sehen. Wenn ich jemandem ins Gesicht schauen kann, erkenne ich schneller, ob er etwas ernst, halbernst oder lustig meint; es sei denn, ich setze ein Pokergesicht auf. Doch seine eigenen Gesichtsmuskeln derart zu beherrschen und einzufrieren, gelingt nur sehr wenigen Menschen so richtig gut – Gott sei Dank!
In unserer mitteleuropäischen Kultur gilt jemand, der seine Gesichtszüge versteckt, als einer, der etwas zu verbergen hat. Aus der Ritterzeit stammen die Redewendungen, daß jemand, der nicht „mit offenem Visier kämpft“, wohl „etwas im Schilde führt“. Wer schlechte Absichten hat, versteckt sich.

Vor allem deswegen stößt die Verschleierung muslimischer Frauen – am krassesten durch Nikab und Burka – hierzulande auf große Ablehnung. Dieses gefühlsmäßige Unbehagen gegen die Maskierung geht wohl noch tiefer als die vernunftgesteuerte Meinung, daß sich eine verschleierte Frau der Unfreiheit unterwirft. Der Kopftuchzwang im Iran gilt als abschreckendes Beispiel, wie eine Staatsführung über Kleidervorschriften Macht ausübt. „Politiker*innen“ wie Claudia Roth, die sich eilfertig dem iranischen Kleidungsgebot unterwerfen und damit Frauenrechte mit Füßen treten, dürften solche Erwägungen freilich fremd sein.

Maskierung erzeugt Mißtrauen. Der bekannte „Gesichterleser“ Dirk Eilert warnt darüber hinaus, daß jemand, der eine Maske trägt, beim anderen nicht nur Verunsicherung, sondern auch Stress auslösen kann. Als Autor des Buches „Der Liebes-Code: Wie Sie Mimik entschlüsseln und Ihren Traumpartner finden“, muß er es wohl wissen. „Die Mimik hilft uns zu sehen, was in dem anderen vorgeht“, weiß auch Eilert. Wenn der Gesprächspartner Teile des Gesichts verdecke, gingen bei der Kommunikation wichtige Signale verloren. Besonders das Lächeln spiele hierbei eine große Rolle, um eine Aussage einschätzen zu können. Lächeln erzeugt Gegenlächeln, und dies senkt erwiesenermaßen den Spiegel des Streßhormons Cortisol.

Wie soll man mit einer Maske Witze erzählen oder beim anderen Geschlecht anbandeln? Die Maske wird unsere Art zu sprechen verändern. Psychologen raten sogar schon dazu, beim Sprechen viel stärker die Augen, die Körperhaltung und die Sprachtönung einzusetzen. Sollen wir also alle zu Hampelmännern werden? Nein danke! Übrigens gibt es eine hervorragende Übung, wie Sie zahlreiche Gesichtsmuskeln auf einmal trainieren können: Küssen – am besten ohne Maske.

Von Thomas Paulwitz

Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen

__CONFIG_group_edit__{}__CONFIG_group_edit__
__CONFIG_local_colors__{"colors":{},"gradients":{}}__CONFIG_local_colors__
{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}
>