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Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Maske zu lieben 

 26. September 2020

von  Daniel Matissek

Götterdämmerung: Christian Drosten und seine fragwürdige Rolle in der Corona-Pandemie

Mir gibt die Person des Dr. Christian Drosten zunehmend Rätsel auf. Diese schillernde, sympathisch-unangepasste, genial und doch verschroben anmutende Figur, die der Pandemie in Deutschland früh ein Gesicht gab und als oberster Corona-“Erklär-Bär“ der Nation rasch zur Autorität wurde, strahlte anfangs viel Besonnenheit und Ruhe aus. Als Corona seinen Anfang nahm, da nahm Drosten uns die Angst, betätigte sich als Aufklärer und versuchte mit seinem zunächst vielgelobten NDR-Podcast (den ich selbst bis in den Mai hinein noch lückenlos verfolgte), das Unbegreifliche begreiflich zu machen, und uns auf jeweils aktuellem Kenntnisstand zum Virus zu halten. Schon damals allerdings fielen dem aufmerksamen Zuhörer frappierende Widersprüche und Ungereimtheiten in Drostens Sachvortrag auf, und schon damals rechtfertige der Professor diese mit der Ausrede, so sei Wissenschaft nun einmal: ein Prozess von Erkenntnis und Irrtum. Doch dazu später mehr.

Mit Fortschreiten der Pandemie wuchs auch Drostens Popularität – und zwar proportional zur Zahl seiner Twitter-Gefolgschaft. Da ich zu denen gehöre, die Christian Drosten schon auf Twitter lasen, als er dort noch Followerzahlen eines durchschnittlichen Pubertierenden oder einer gelegenheitsbloggenden Hausfrau hatte (ich hatte mich früh für seine Rolle bei der Entschlüsselung des erstens Sars-Virus sowie bei der Schweinegrippe-Pandemie H1N1 vor 11 Jahren interessiert!), konnte ich seinen kometenhaften medialen Höhenflug vom ersten Tag an mit verfolgen – und auch seine bemerkenswerte Wandlung vom unabhängigen Forscher zum faktisch tonangebenden „Staatsvirologen“. An irgendeinem Punkt dieser Entwicklung, so scheint es, muss dieser zarten Seele offenbar der Hype zu Kopfe gestiegen sein.

Statt uns als Aufklärer weiter die Angst zu nehmen, fand Drosten seine neue Aufgabe bald  darin, Angst zu schüren und aufrechtzuerhalten. Damit machte er sich in seiner Position als Regierungsberater bald unentbehrlich – und stellte sicher, dass Corona in Deutschland keine Eintagsfliege bleiben würde. Der Mann ging einen faustischen Pakt ein, der ihm Ruhm, Prominenz, Einfluss und gesellschaftliche Anerkennung bescherte – kommende Woche erhält er zum zweiten Mal seit 2005 das Bundesverdienstkreuz -, und ihn im Gegenzug auf die Rolle des regierungstreuen Kassandrarufers festlegte. Und an dieser hält er, zur herben Enttäuschung von immer mehr wachsamen, kritischen und rational-unvoreingenommen Bürgern (darunter übrigens auch etlichen ärztlichen Berufskollegen), unbeirrt bis heute fest – und beschwört unverdrossen die Bedrohlichkeit des Virus, zu dessen Nachweis er den ersten Test entwickelte (in den USA laufen deswegen derzeit Klagen). Ihn scheint nicht anzufechten, dass sich die Befürchtungen, alarmistischen Warnungen und Prognosen zur Pandemie allesamt praktisch nicht einmal im Ansatz bewahrheitet haben, weswegen ´getrost von einem historischen Fehlalarm gesprochen werden kann.

Indem er – gemeinsam mit einem ganzen Braintrust agiler Medienleute, selbststilisierter Krisenpolitiker und Vigilanzmediziner – die Menschen immer weiter auf Trab und in Atem hält und dazu beiträgt, dass die Gesellschaft, in umgekehrter Proportionalität zur realen „pandemischen“ Gesundheitsbedrohung, durch Pandemie-Maßnahmen und Dauerverunsicherung immer kranker gemacht wird, lenkt Drosten möglicherweise effizient von dem für ihn mehr als peinlichen Umstand ab, dass er sich seit Corona-Beginn im Frühjahr immer wieder geirrt und mit Fehleinschätzungen „geglänzt“ hat – und zwar in einer Häufung, die in normalen Zeiten dreifach genügen würde, einen Experten nachhaltig zu desavouieren.

Ende Februar, am Vorabend der Pandemie, trat Drosten noch bei „Maybrit Illner“ auf, verfolgte mit ungläubigem Staunen den Debattenverlauf über ein zu diesem Zeitpunkt noch für eher hypothetisch gehaltenes mögliches Infektionsgeschehen in Deutschland und notwendige Reaktionen – und murmelte dann, zu seinem Schweigen befragt, betreten, ihn habe „die Diskussion immer stiller gemacht“; man wisse doch gar nicht, worauf man sich überhaupt „vorbereiten“ solle. Zu diesem Zeitpunkt scheint Christian Drosten Corona nicht ernster genommen zu haben als der Rest der Republik.

Doch schon kurz darauf, am 5. März 2020, hielt er plötzlich „278.000 Corona-Tote in Deutschland für möglich“. Von da an ging es Schlag auf Schlag: Der schon innerhalb der folgenden zwei Wochen erfolgte Lockdown der Schulen und Kitas erfolgte maßgeblich auf Grundlage von Drostens später hochumstrittener Studie – obwohl diese, aufgrund wohl nicht repräsentativer und zu geringer Stichproben, die Infektiosität von Kindern dramatisch überschätzt hatte.

Weder dass derartige Sterbezahlen auch nur annähernd erreicht wurden, noch dass es nie zu der dauerbeschworenen „Überlastung des Gesundheitssystems“ kam, hielt Drosten davon ab, mit Horrorvisionen zum weiteren Virusverlauf aufzuwarten – diesmal gleich auf globaler Ebene: Für Afrika prophezeite er Anfang Juni, als in Deutschland die Katastrophe längst ausgeblieben war, eine Apokalypse: „Wir sehen in diesen Tagen jetzt erste Berichte aus Afrika… Wenn man das liest, wird einem wirklich klar, dass das ein massiver Ausbruch ist, der da läuft. Und es ist ein Ausbruch, der durchläuft.“ Und weiter: „Wir werden Bilder sehen in der Zeit zwischen Juni und August, die wir nur aus Kinofilmen kennen.“ Nichts von alledem trat ein – ebenso wenig wie spätere Prognosen über ein „Durchgehen der Pandemie“ in Indien und Südostasien.

Und auch beim Thema Maske widersprach sich keiner so leidenschaftlich und offen wie Virologe Drosten, der im Januar noch gesagt hatte, die wissenschaftliche Datenbasis zur Maske sei „nicht gut“, und kurz darauf wörtlich explizit erklärte: „Masken bringen nichts!“ Noch mindestens bis Anfang April schloss er sich der unisono von WHO, RKI und virologischer Prudenz des Landes vertretenen Ansicht an, dass für eine Maskenpflicht keinerlei medizinischer Nutzen bei der Viruseindämmung belegt sei. Doch spätestens seit Einführung der bundesweiten Maskenpflicht am 27. April 2020 – zu einem Zeitpunkt, als Virusausbreitung und R-Zahl längst massiv zurückgegangen waren – wandelte sich der Professor zum kompromisslosen Befürworter des Zwangs, ohne freilich zu irgendeinem Zeitpunkt zu präzisieren, auf welchen veränderten wissenschaftlichen Erkenntnissen dieser diametrale Sinneswandel basierte oder was sich an den seiner früheren Position zugrundeliegenden Forschungsresultaten nunmehr geändert hatte.

An seiner Unerbittlichkeit in Sachen Mundnasenschutz  hat sich seither nichts mehr geändert; im Gegenteil: Vergangene Woche erst erklärte Deutschlands Starvirologe im Interview mit der Deutschen Welle, wir alle müssten „noch mindestens das komplette Jahr 2021 hindurch Maske tragen“, was Drosten reichlich konfus wie folgt begründete: Weil wir Maske tragen, werden wir alle nicht immun; weil wir jedoch nicht immun werden, entwickeln wir keine breite (Herden-)Immunität; also müssen wir uns gegenseitig solange mit Maske schützen, bis es einen Impfstoff gibt. Ein klassischer Zirkelschluss, ein selbstreferenzieller Humbug bar jeder wissenschaftlichen und plausiblen Sinnhaftigkeit.

Als vorvergangene Woche die positiven Tagestestungen (als Folge massiv ausgeweiteter Tests und zudem kumulativ binnen 24 Stunden gemeldeter Testergebnisse durch die Labore) die Schwelle von 2.000 „Neuinfizierten“ überschritten wurde, schlug Drosten sogleich Alarm und behauptete, diese Zahlen könnten „nun nicht mehr auf aus dem Ausland importierte Fälle“ zurückgeführt werden, sondern seien „Hinweise auf unentdeckte Cluster im Hintergrund“. Ausgerechnet Drosten, der sich in seinen Podcasts stets um saubere begriffliche Differenzierung zwischen „positiv Getesteten“, „Infizierten“, „an Covid-19 Erkrankten“ und hospitalisierten „schweren Verlaufsfällen“ bemüht hatte, griff damit nun selbst in die Trickkiste der Panikrhetorik, um völlig aussagelose Testresultate ohne jeden Bezug auf das tatsächliche Krankheitsgeschehen als Ausbrüche oder Explosionen zu beschreiben.

Kein einziger dieser Widersprüche ficht Drosten bislang an. Einem Derwisch gleich wechselt er seinen wissenschaftlichen Standpunkt scheinbar unmerklich und in Windeseile. Auf seine ständig variierenden Überzeugungen und Erkenntnisse angesprochen, antwortet er stets immer gerne  – und seine Fans übernehmen diese Apologie -, so „funktioniert Wissenschaft eben“: Es gäbe nicht „die eine Wahrheit“. Auch hier ist ihm wieder entschieden zu widersprechen: Genau so funktioniert Wissenschaft eben nicht. Wir alle erinnern uns noch an den Physikunterricht zurück: Eine These muss zuerst einer Validierung unterzogen werden, durch die sie entweder verifiziert oder falsifiziert wird. An die Öffentlichkeit treten Forscher dann erst mit (möglichst empirisch) gesicherten Resultaten, nicht mit Spekulationen.

Bei Drosten war es genau andersherum: Bei ihm scheint der Weisheit letzter Schluss immer nur gerade das Studienwissen zu markieren, das sich er zuletzt gerade angelesen hat – und dieses macht er, das ist das Fatale, zur Grundlage seiner Ratschläge und Handlungsempfehlungen an die Politik -nicht selten begründet mit gebotener Eile und ergänzt um die vorsorgliche Entschuldigung, es handele sich nun mal sozusagen um ein Spiel mit Variablen, mit großen Unbekannten, und man „verstehe“ das Virus nun mal eben „noch nicht richtig“. Die Beratertätigkeit dieses Pandemieexperten war eine Art „learning by explaining“, eine Farbenleere von Halbblinden für Vollblinde, und nach dieser Methodik wurde ganz Deutschland zu einem gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Testlabor für eine Pandemiebekämpfung umgemodelt. Damit Wissenschaftler wie Christian Drosten selbstkritisch „hinzulernen“ konnten, wurde die Selbstverbrennung der Wirtschaft (und der Zukunft einer fast verlorenen Generation) in Kauf genommen.

Letzterer Vorwurf trifft allerdings weniger Drosten selbst als vielmehr all jene Politiker, die ihn zum Guru und zur Speerspitze einer seit Beginn an handverlesenen Nomenklatur von Virologen machten, welche in dieser Krise Berater spielen durften. Und noch immer spielen dürfen – denn die selektive Bevorzugung von Beratern setzt sich fort bis heute: Als der Gesundheitsausschuss des Bundestags kürzlich die Frage erörterte, ob die nationale epidemische Lage nicht endlich aufzuheben sei, da waren ausschließlich sechs Sachverständige geladen, deren restriktive Haltung zur tendenziell unbefristeten Verlängerung des Ausnahmezustands hinlänglich bekannt war – darunter selbstredend auch Christian Drosten. Nicht geladen (und folglich auch nicht gehört) wurden mindestens 250 namhaften Experten, Wissenschaftler und Virologen, die die nationale epidemische Lage aus äußerst stichhaltigen Gründen aufheben würden.

Allerdings mehren sich zuletzt die Hinweise, dass sich auch Drosten nicht mehr ganz so sicher wähnt, ob er mit seinem Alarmismuskurs wirklich aufs richtige Pferd gesetzt hat; denn er scheint seine möglichen Verluste präventiv begrenzen zu wollen. Vermutlich fürchtet er, der bisher fast überall und mit so ziemlich allem zur Corona-Krise falsch lag, dereinst als Bauernopfer zu enden – dann nämlich, wenn den Deutschen das wahre Ausmaß der Kollateralschäden bewusst wird, die eine epochale allergische Überreaktion der Politik auf diese alles in allem statistisch harmlose Infektionskrankheit angerichtet hat. Anfang der Woche versuchte Drosten seine Rolle in der bundesdeutschen Corona-Politik herunterzuspielen und erklärte: „Es ist bis heute so, dass ich keine Empfehlungen gebe, sondern dass wir nur Datenstände berichten, aus denen dann andere Empfehlungen formulieren.“ Prompt entlarvte „Bild“ diese Legendenbildung als glatte Unwahrheit – und fasste sachlich-chronologisch zusammen, wie häufig und wo genau der plötzlich so bescheidene Herr Professor sehr wohl als Ratgeber aufgetreten war und Empfehlungen ausgesprochen hatte.

Und noch wirrer nahm sich Drostens Versuch aus, nach seiner heftig umstrittenen Aussage, die Pandemie werde „jetzt erst richtig losgehen, auch bei uns“, wieder zurückzurudern: Als ihm deswegen breites Unverständnis entgegenschlug – sogar von Jörg Pilawa bei „Maischberger“ am Mittwoch -, beschwerte sich Drosten im ZDF, das Zitat sei gar nicht aktuell, sondern stamme „aus einem Interview, das ich, mit einem sehr weiten Zeitrahmen gespannt, vor sechs bis acht Wochen geführt habe.“ Hier stellt sich dann allerdings die Frage, für wie blöde der Professor eigentlich sein Publikum hält: Dass diese Prognose schon zwei Monate alt ist, macht sie ja erst noch peinlicher – da ganz offensichtlich eben überhaupt nichts „richtig losgeht, auch bei uns“. Abgesehen von der bewährten Panikmache auf Grundlage positiver Testergebnisse, ohne dass es irgendwo signifikant mehr Kranke gäbe.

Klartext
von Daniel Matissek

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  • Das war ja mal ein inhaltlich herausragender Text.
    Ich werde ihn an einigen Stellen überarbeiten und in meine Begründung einer Beschwerde bei Bundesverfassungsgericht einbauen.
    Meine erste Beschwerde ist vom Bundesverfassungsgericht bereits angenommen. Jetzt erfolgt die zweite, welche sich insbesondere aus ungenutzten Gelegenheiten der Regierung während eines langen Zeitraums ihrer Möglichkeiten bei gegebener verhältnismäßiger Verpflichtung zu deren Nutzung (von nicht nur einseitigen Informationen) ergibt.
    Das wird ein Fest. Es freuen sich mit mir schon andere darüber, wie ein Bürger ohne anwaltliche Hilfe den Regierungen in Bund undLand die Hölle heiß macht. Das Bundesverfassungsgericht steckt offensichtlich bereits in der Klemme.
    Mit freundlichen Grüßen

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