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Familienbande. Es war einmal eine große Familie… 

 16. Juli 2020

von  Alexander Heil

Mutter, Vater und viele Kinder lebten gemeinsam in einem großen Haus. Es fehlte ihnen an nichts, im Gegenteil. Jedes Kind war gut versorgt und die Eltern kümmerten sich um ihren Nachwuchs. Jedes Kind war unterschiedlich, hatte andere Talente und Probleme – so wie es normal ist. Es gab dumme Kinder und schlaue, faule und fleißige, aber alle waren Teil der Familie und jeder hatte die gleichen Chancen.

Eines Tages klopfte es an der Haustür. Mutter ging hin um nachzusehen, wer da Einlass begehrte und sah einen jungen Mann in zerrissenen Kleidern und mit traurigem Blick.

„Bitte, gute Frau, darf ich bei Ihnen übernachten? Mir geht es nicht so gut, denn zuhause werde ich geschlagen und habe keine Zukunft.“

„Guter Mann, natürlich können sie bei uns bleiben, bis es ihnen besser geht. Uns geht es gut, wir können und werden helfen. Das ist unsere Pflicht.“

Und so zog der junge Mann in das große Haus, bekam neue Kleidung und mehr als genug Essen. Die Eltern kümmerten sich um den Gast, als wäre er eines ihrer eigenen Kinder. Die Kinder indes waren zunächst skeptisch, freundeten sich aber schnell mit dem Neuankömmling an, lernten von ihm und er lernte von ihnen. Es war schön zu sehen, wie sich das Leben für alle positiv veränderte.

Einige Zeit später klopfte es erneut an der Haustür. Als die Mutter öffnete, standen dort 3 junge Männer, die ebenfalls Einlass begehrten.

„Wieso kommt ihr ausgerechnet zu uns?“, fragte die Mutter. Die Gäste in spe antworteten: „Wir haben gehört, dass du genug Platz hast und dich gut um Fremde kümmerst. Bitte weise uns nicht ab, wir haben es schwer und wollen doch nur eine Chance auf einen Neuanfang.“

Die Mutter war gerührt und fühlte sich geschmeichelt, dass endlich jemand erkannte, wie herzensgut sie war. Ihre eigenen Kinder liebten sie zwar, doch fühlte sie nie diese Dankbarkeit, die ihr jetzt entgegen gebracht wurde. Das Haus war groß, die Familie offen und freundlich und an Geld mangelte es auch nicht. Somit zogen die drei ebenfalls im großen Haus der glücklichen Familie ein.

Als einer der Söhne sich eines Abends bei seinem Vater beschwerte, dass er sich vernachlässigt fühlte, da sich die Eltern weniger um ihre eigenen Kinder kümmern würden, erklärte der Vater: „Unseren Gästen geht es schlecht. Da müssen wir Rücksicht drauf nehmen und uns um sie kümmern. Schau, wie dankbar sie sind. Wenn sie auf eigenen Füßen stehen, kümmern wir uns wieder mehr um euch, versprochen!“

Dem Sohn gefiel diese Antwort zwar nicht, aber was konnte er tun? Er akzeptierte die Entscheidung und fügte sich. Immerhin war er das Kind. Er musste gehorchen.

Als eine der Töchter nach einigen Monaten zur Mutter kam und sich beschwerte, dass sie von den Gästen belästigt wurde, diese sie beleidigten und sich darüber lustig machten, wie sie angezogen war, sagte die Mutter: „Du bist ungezogen! Unsere Gäste haben so viel durchgemacht und sind so froh, bei uns zu sein. Sie haben kein leichtes Leben gehabt wie du. Stell dich nimm etwas Rücksicht und zeige etwas Interesse an der Lebensweise. Vielleicht lernst du noch was.“

Auch die Tochter fügte sich der Entscheidung ihrer Mutter. Sie weiß, was gut für die Familie ist, denn sonst wäre sie nicht die Mutter, oder?

Wieder klopfte es an der Tür und die Mutter öffnete. Eine Nachbarin stand vor ihr und sagte; „Ich habe mitbekommen, dass du Gäste bei dir aufnimmst, denen es nicht so gut geht. Dass du ihnen hilfst und sie bei dir als Teil deiner Familie leben können. Ihr seid reich und ihr habt Platz, das finde ich toll!“

„Danke, liebe Nachbarin.“, erwiderte Mutter, erneut geschmeichelt vom Lob anderer. Es tat so gut, wertgeschätzt zu werden. Die Nachbarin fuhr fort: „Weißt du, bei uns haben auch ein paar Menschen angeklopft und wollten Obdach und Hilfe haben, doch wir haben nicht so viel Platz und Geld wie ihr. Könnt ihr ihnen nicht helfen? Ich bringe es nicht übers Herz, sie wieder zurückzuschicken.“

Mutter dachte einen Augenblick nach und erbat einen Moment, um mit ihrer Familie sprechen zu können, welchen ihr die Nachbarin gewährte.
„Liebe Familie! Ihr wisst, dass es da draußen viele Menschen gibt, denen es schlechter geht als uns. Ihr wisst auch, dass es uns so gut geht, dass wir all diesen Menschen helfen können.“

Die Kinder nickten zögerlich, der Vater saß in seinem Sessel und paffte an seiner Pfeife und die Gäste stimmten – bis auf den ersten – eifrig nickend zu.

„Wir haben Platz, wir haben Geld und wir haben die Pflicht, anderen zu helfen. Ihr wisst, was unser Urgroßvater damals gemacht hat? Genau deswegen werden wir alles tun, um gute Menschen zu sein und zu beweisen, dass wir besser sind als damals.“

‚Und besser als alle anderen‘, fügte Mutter in Gedanken hinzu.

Die leiblichen Kinder neigten ihr Haupt in Schuld, wussten sie doch nur zu genau, wie sich ihr Vorfahr verhalten hatte. Das wollten sie nicht selbst erleben und so stimmten sie Mutter zu. Sie wollte ja nur helfen, was kann daran schlecht sein?

Mutter war erleichtert und machte ihren Kindern, ihrer ganzen Familie Mut: „Wir schaffen das!“

Zurück an der Tür, mit einem befriedigenden Gefühl im Bauch, erklärte die Mutter der wartenden Nachbarin: „Ich habe mit meiner Familie gesprochen und alle waren sofort einverstanden zu helfen. Bring die armen Leute zu mir.“

Dies ließ sich die Nachbarin nicht zweimal sagen, winkte mit ihrer linken Hand und bedeutete den 15 Neuankömmlingen, dass sie nun hier in Sicherheit, Frieden und Wohlstand leben könnten, so lange sie wollten. Etwas mulmig wurde es der Mutter nun doch, hatte sie doch nicht mit 15 neuen Gästen gerechnet. Aber ein Zurück gab es nun auch nicht mehr, und so hieß sie die neuen Familienmitglieder willkommen.

Den jüngeren gab sie das Spielzeug ihrer eigenen Kinder, schaffte Platz in den Zimmern des großen Hauses, so dass ihre Gäste sich nicht einschränken mussten und endlich einmal Platz hatten und unter sich sein konnten. Immer wenn sich Mutter an den Zimmertüren der Gäste blicken ließ, sah sie in dankbare und fröhliche Gesichter.

Umso verwunderter zeigte sie sich, als etwas später zwei ihrer Söhne vor ihr standen und sich darüber beschwerten, dass sie ihre Mutter schon lange nicht mehr gesehen hätten. Sie fühlten sich vernachlässigt und warfen ihr vor, sich nur noch um die Gäste zu kümmern. Sie wollten ihre Mutter zurück!

„Ihr seid undankbar!“, entgegnete ihnen die Mutter. „Schau doch, wie gut es uns immer noch geht und wie dankbar unsere Gäste sind!“, doch die Söhne sahen dies anders. Sie sahen, dass ihre Mutter sich mehr um die Neuankömmlinge kümmerte als um ihre eigenen Kinder. Sie haben gerne ihren Wohlstand geteilt, wollten helfen, aber sie wollten auch geliebt werden und dies spüren. Sie wollten auch ein Stück ihrer Mutter haben und sich als Teil der Familie sehen.

„So habe ich euch nicht erzogen!“, entrüstete sich die Mutter. „Seid froh, dass ihr ein Dach über dem Kopf habt, nach allem, was Urgroßvater getan hat. Wir müssen helfen wo wir können und ihr habt kein Recht euch zu beschweren. Außerdem hattet ihr ja die Wahl, ich habe alle gefragt.“

Damit war das Thema gegessen, die Söhne gingen wieder in ihre Zimmer und hörten fröhliches Gelächter aus den Räumen, wo die Gäste nun wohnten und nicht mehr sie und ihre Geschwister.

Ein Schrei weckte Mutter eines Morgens auf. Mit angsterfülltem Blick lief sie aus ihrem Schlafzimmer hinaus und den langen Flur entlang um herauszufinden, wer da so laut geschrien hatte. Vater schlief währenddessen weiter seelenruhig im Ehebett. Er hatte es aufgegeben, mit seiner Frau zu argumentieren und fand es wesentlich entspannender, einfach nichts zu tun und sie gewähren zu lassen. Mutter war sowieso beliebter bei allen – egal ob Kinder, Gäste oder Nachbarn. Er beschränkte sich also darauf, einfach „da zu sein“, weil eine Familie schließlich einen Vater braucht.

Fast am Ende des Flurs angekommen, sprang plötzlich eine Tür auf und eine von Mutters Töchtern kam herausgestürzt.

„Mama! Mama! Bitte hilf mir!“, rief ihre jüngste Tochter mit Tränen in den Augen und Armen, die hilfesuchend nach Mutter ausgestreckt waren. Aus dem Zimmer hinter der Tür drang Gelächter und ein Lächeln huschte über Mutters Gesicht.

„Was ist denn los, mein Kind?“, fragte Mutter und nahm ihre Tochter in den Arm. Sie führte das aufgelöste Mädchen langsam wieder über den langen Flur zurück ins Wohnzimmer. Die Tochter weinte stumm und erzählte: „Ich wollte den Gästen helfen, ihnen etwas beibringen. Da hat mich einer geschlagen. Als ich dann geschrien habe, hat mich ein anderer geschlagen und ich wurde von zwei Jungs festgehalten. Ich habe mich gewehrt und als ich zur Tür rausgestürmt bin, warst du ja da, gottseidank.“

Die Mutter war perplex. Was redete ihre Tochter da? Ihre Gäste waren vorbildlich. Sie hatten doch so viel durchgemacht und mussten sich an viel Neues gewöhnen. Nie hatten sie die Hand oder auch nur die Stimme gegen sie, Mutter, erhoben!

„Kind. Sowas möchte ich nie wieder von dir hören! Du hast das mit Sicherheit falsch verstanden oder du hast unsere Gäste beleidigt. Sie sind so lieb und nett, schau doch genau hin!“, redete Mutter ihrer Tochter ins Gewissen.

„Mama? Das meinst du nicht ernst, oder? Sicher, die ersten Gäste, die du aufgenommen hast, sind so wie du sagst, aber die Neuen nicht. Sie sind gemein, sie machen dir was vor! Warum siehst du das nicht?“

„Weil es nicht stimmt! Diskussion beendet! Jetzt mach dich etwas frisch, beruhige dich und dann gehen wir zusammen zu den Jungs zurück, wo du dich entschuldigen wirst, dass du dich falsch verhalten hast!“

Damit war die Diskussion beendet, denn Mutter hatte immer Recht, das wusste die Tochter. Es geschah, wie Mutter es wollte und im Anschluss ging die Tochter in ihr schäbiges Zimmer, wo sie in ihr Kissen schrie und weinte. Doch mehr geschah nicht.

Einige Wochen zogen ins Land, in denen jeder sein Leben lebte, so gut er konnte. Die einstmals fröhliche Familie, die stets zusammengehalten hatte, lebte nun auf Distanz, jeder für sich. Nur Mutter kümmerte sich mit Hingabe um ihre neuen Kinder. Ihre leiblichen Söhne und Töchter allerdings erachtete sie als undankbar und verzogen, machte sich selbst Vorwürfe, dass sie sie falsch erzogen hätte. Vielleicht würde es mit ihren neuen Kinder besser laufen…?

Eines Tages kam Mutter ins Wohnzimmer und fand dieses verwüstet vor. Der Sessel war aufgeschlitzt, die Couch umgeworfen worden. Die Glasschränke lagen ebenfalls zertrümmert auf der Seite, die Bilder ihrer Eltern und Großeltern waren mit Farbe beschmiert. Es war ein grausamer Anblick und Mutter wirkte geschockt.

Bevor sie irgendetwas anderes machen konnte, betraten drei ihrer jüngsten Söhne das Zimmer und erklärten Mutter, wer da verantwortlich war. Sie hatten ihre Schwester und einen Bruder gesehen, wie sie des Nachts hier gewütet hätten. Sie wollten es so aussehen lassen, als wäre dies das Werk der Gäste, weil sie diese nicht leiden könnten – wie Urgroßvater es auch getan hatte. Damals.

In Mutter stieg Wut auf, denn sowas konnte sie nicht dulden. Niemand durfte sich an armen, hilflosen Menschen vergehen. Erst recht nicht jemand aus dieser Familie! Sie ging zurück ins Schlafzimmer um Vater zu wecken, damit sie Entschlossenheit zeigen konnten. Mutter sah nicht die noch feuchte rote Farbe an den Händen ihrer drei Söhne.

Vater und Mutter versammelten ihre gesamte Familie im zertrümmerten Wohnzimmer. Die neuen Kinder waren frohen Mutes, die meisten leiblichen Kinder wussten nicht, was sie hier sollten, denn sie waren sich keiner Schuld bewusst. Nur die drei Söhne, die ihrer Mutter den Tipp gegeben hatten, wer das Wohnzimmer so verwüstet hatte, lächelten.

Sie hatten verstanden, dass sie nur eine Zukunft hatten, wenn sie sich gegen ihre Geschwister stellten. Sie durften nicht darauf bestehen, als leibliches Kind wertgeschätzt und geliebt zu werden, sie mussten sich an die neue Situation anpassen. Sie mussten weg von den leiblichen Geschwistern und sich den Gästen zuwenden, wenn sie eine Zukunft haben, geliebt werden wollten. Und um das zu erreichen, war ihnen jedes Mittel recht. Es war ja auch so einfach – sie mussten nur für die Gäste und alles was sie taten sein, gleichzeitig alles schlechtreden, was von ihren Geschwistern kam. Wenn gar nichts half, mussten sie nur auf den Urgroßvater verweisen.

Mutter sah nur die Oberfläche, das Offensichtliche und hinterfragte die Dinge nie. Sie war nicht dumm, aber naiv. Die Gäste waren alle arm und hilfsbedürftig, ihre Kinder waren alle verzogen und egoistisch und nur sie alleine konnte und musste dafür sorgen, dass ihre Familie überall gut angesehen war.

Doch die Ansprache im Wohnzimmer übernahm diesmal tatsächlich der Vater, der bisher nur geschwiegen hatte.

„Man kann diese Familie nur mit gebrochenem Herzen lieben. Ihr kennt alle unseren Urgroßvater und was er getan hat. Die Geschichte dieser Familie ist eine gebrochene Geschichte – mit der Verantwortung für millionenfachen Mord und millionenfaches Leid, das bricht mir, das bricht uns das Herz.“, sagte er, blickte dann kurz zur Mutter, die zustimmend nickte. So ist Vater also doch zu etwas nutze.

Die leiblichen Kinder waren wie vor den Kopf gestoßen, die neuen Kinder hatten kaum zugehört und die drei Söhne, die dies alles angeleiert hatten, grinsten frech, war ihr Plan doch voll und ganz aufgegangen.

Von nun an war klar, dass Mutter stets Recht hatte. Sie sorgte sich um ihre neue Familie wie einst um ihre leibliche. Vater schlief weiter in seinem Sessel oder im kalten Ehebett. Die leiblichen Töchter passten sich an, achteten darauf, niemanden zu provozieren oder gar „Nein“ zu sagen, während die leiblichen Söhne immer wütender wurden, ob dieser Ungerechtigkeiten, die sie erdulden mussten. Aber auch sie ordneten sich unter, denn so gehört sich das in einer Familie.

Alexander Heil


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