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Geheuchelte Staatstrauer: Die Berliner Covid- “Gedenkveranstaltung“! 

 21. April 2021

von  Daniel Matissek

Staatliche Gedenkfeiern sind in normalen Zeiten gravierenden Anlässen vorbehalten, an deren Schicksalsschwere es keinen Zweifel gibt: Naturkatastrophen, Kriege, Terroranschläge, Jahrestage historische Zäsuren oder auch der Tod bedeutender Persönlichkeiten. Und ja: Auch Seuchen oder Epidemien – deren Gefährlichkeit und Tödlichkeit dann aber leidvoll jedem Überlebenden im Bewusstsein ist, und ihm präsent ist durch persönliche Betroffenheit oder Verlusterfahrung im eigenen sozialen Umfeld, und nicht durch Inzidenzwerte, abstrakte Zahlencharts im Anschluss an die Hauptnachrichten und ein Salontremolo von Politikern in Talkshows.

Vor diesem Hintergrund kann man über die Corona-Trauerfeier in der Berliner Gedächtniskirche am vergangenen Sonntag nur noch fassungslos den Kopf zu schütteln. Angesichts dieser Show der Politik Verlogenheit vorzuwerfen und harte Kritik an einer derartigen Inszenierung zu üben, hat nicht das Geringste mit einem Mangel an Empathie oder Pietät zu tun. Im Gegenteil: Gerade wer Mitgefühl mit an einer schlimmen Krankheit verstorbenen Menschen zum Ausdruck bringen will, dem muss jede selektive Vereinnahmung einer bestimmten Opfergruppe genuin gegen den Strich gehen. 2.500 bis 3.000 Menschen sterben jeden Tag in Deutschland, an Ursachen, die weit eindeutiger zuordenbar sind, aber fast nie eines politisch instrumentalisierten Virus. Doch noch nie gab es für all diese Opfer spezielle staatliche Trauerfeiern.

Und es ist eben diese unerträgliche Heuchelei und Doppel- bis X-fach-Moral, die ein mitfühlender, auch christlich geprägter Mensch in seiner Einseitigkeit nicht gutheißen kann. Weil sie beweist: Es geht hier nicht um Menschenleben, sondern um eine Propagandaveranstaltung, mit der noch vor kurzem für unser Zeitalter für unvorstellbar gehaltene politische Freiheitseinschränkungen legitimiert werden sollen. Was zu anderen Zeiten oder in fanatischen Regimes die Staatsbegräbnisse für Märtyrer waren und sind, deren individuelles Los ebenfalls durchaus stets trauerwürdig war: das ist mittlerweile die Inszenierung und Instrumentalisierung von Corona-Toten in einer Weise, die nur mehr abstoßend und schäbig zu nennen ist. Angefangen vom unaufrichtig brüchigen Timbre eines Frank-Walter Steinmeiers mit der üblichen Betroffenheits- und Sorgenfaltenmimik über die melancholische Musikbegleitung bis zum Aufgebot der gesamten Staatsspitze inklusive Kanzlerin und Verfassungsschutzpräsident – in der Gedächtniskirche zeigte sich die Trauer-Apartheid einer Elite, die mit wahnhaft verengtem Blickfeld agiert und auf ihrem Irrweg mehr Leid im Straßengraben achtlos zurücklässt, als sie je beheben und verhindern könnte.

Um das immer schwieriger statistisch überhaupt nachweisbare isolierte Sterbegeschehen in der Corona-Pandemie zu jener epidemiologischen Katastrophe aufzubauschen, die es zur Begründung einer zunehmend diktatorischen Verbotspolitik braucht, wird daher eine seit jeher akzeptierte, zum Leben leider immer schon dazugehörende Banalität durch diagnostische Herausschälung und wahnhaft-isolierte Einzelbetrachtung zur Menschheitskatastrophe erklärt. Ganz so, als seien vor Corona noch nie Menschen in diesem Land gestorben, und als sei alle Jubeljahre mal jemand auf die Intensivstation gekommen und als seien wir unverwundbar gewesen.

Nach den uns vorliegenden Erkenntnissen ist die Zahl der verstorbenen im Verhältnis zu den vergangenen Jahren eher rückläufig, die Frage ist auch ob die an, mit und infolge von Corona verstorbenen nicht einer Umdeklarierung bedürfen. Doch der schiere Hinweis darauf zählt als apostatische Störung der nationalen Totenruhe – und eben zur Zementierung dieses Diskussionstabus diente die Gedenkveranstaltung von Sonntag.

Als seien hier in einem Bürgerkrieg, bei einer Reaktorkatastrophe oder durch eine reale Pandemie 80.000 Menschen jäh aus dem Leben gerissen worden, drücken die Staatshonoratioren auf die Tränendrüse und beuten dabei die Verzweiflung eingeladener Angehöriger medial schamlos aus. Was ist mit den Angehörigen von seit Ausbruch von Corona bislang in Deutschland rund 900.000 anderweitig Verstorbenen? Trauern, leiden all diese etwa weniger, weil ihre Liebsten Todesursachen erlagen, die seit Ausrufung der WHO-Pandemie plötzlich fast niemanden mehr scheren und bekümmern – von Krebs über Diabetes bis ALS?

Gekonnt verbalisierte die „Tagesschau“ den professionell kultivierten Bergamo-Horror in ihrer Berichterstattung zur Corona-Totenmesse, als sie ausgewählte „Eindrücke“ von der Feierstunde wiedergab. Etwa die „Erinnerungen der Hinterbliebenen, die das Gedenken so kraftvoll machen… schonungslos und traurig, bitter und verzweifelt„, wie es da hieß. Oder folgende pathetische Schilderung: „Von der Intensivstation rief er mich noch einmal an. ‚Ich werde jetzt ins künstliche Koma versetzt und beatmet. Mach dir keine Sorgen, ich bin in besten Händen. Du kannst mich bald wieder abholen. Ich freu‘ mich auf dich.‘ Das war unser letztes Gespräch„, wie da eine Frau vom Ableben ihres Mannes berichtet, der im Alter von 59 Jahren verstorben war. An oder mit Covid, bleibt unklar. „Bis heute begleiten mich die Bilder von dem einsamen langen Klinikflur. Von den blinkenden und piepsenden Geräten, den Schläuchen und Maschinen. Und mittendrin: mein Hannes.

Tragisch, ohne Frage. Bloß: Wie oft geschah und geschieht so etwas, immer schon und seit jeher, auch ohne Corona, auch in diesem Moment, aus allen erdenklichen medizinischen Ursachen? Und wo bleibt da die Staatstrauer? Vor allem: In welcher zahlemmäßigen Relation stehen solche Einzelschicksale zum Sterbegeschehen insgesamt, selbst bei Corona mit seiner Gesamtmortalität von maximal bislang 0,1 Prozent, selbst wenn man sämtliche „an und mit“-Fälle einberechnet und deren noch immer über dem der Bevölkerung liegenden Durchschnittsalter zum Zeitpunkt des Todes?

Zum Ausdruck kam bei der Trauerfeier übrigens ein weiterer Aspekt seitens der Angehörigen, der die Heuchelei der zugegeben Politiker in ihrer Schamlosigkeit erst so richtig offenlegte: Dass sie ihren an Covid erkrankten Verwandten zum Ende nicht nahe sein konnten und diese in bitterer Einsamkeit und Abgeschiedenheit den letzten Gang antreten mussten. Das hatte nie etwas mit dem Virus zu tun, sondern mit unmenschlichen und hysterischen Eindämmungsmaßnahmen eben der verantwortlichen Politiker, die hier die Kummervollen mimen. Überfällig wäre, wenn überhaupt, Trauerfeier für die Opfer von Lockdowns und Corona-Auflagen. Dies wäre wenigstens eine ehrliche Veranstaltung.

Klartext
von Daniel Matissek

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