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Geschichte wiederholt sich bekanntlich ständig, wenn auch üblicherweise in längeren Zyklen. Keine Politikergeneration macht üblicherweise zu Lebzeiten denselben Fehler zweimal. Bei der internationalen Afghanistan-Politik ist der Fall jedoch anders gelagert: Hier spult sich eine hoffnungslose Endlosschleife ab, die sich durch bemerkenswerte Uneinsichtigkeit und militärische Inkonsequenz der beteiligten westlichen Weltenretterstaaten auszeichnet. Vor allem natürlich Deutschlands, insbesondere jedoch auch der USA.

Wer sich die Äußerungen von US-Präsident „Sleepy Joe“ Biden nach dem verheerenden Terroranschlag vergangene Woche anhört, seine Ankündigungen von Gegenschlägen und Vergeltung, und die nachfolgenden Forderungen Emmanuel Macrons und mehrerer NATO-Führer zur Errichtung gesicherter Schutzzonen um Kabul, der muss sich verwundert fragen, ob wir hier am Ende der alten oder schon am Anfang einer neuen Militärmission stehen: Denn exakt so, mit den fast wortgleichen Reaktionen auf die Anschläge vom 11. September, begann vor knapp 20 Jahren das „Abenteuer Afghanistan“, das dann erwartungsgemäß zum zweiten Vietnam geriet. Dabei war schon die damalige Taliban-Herrschaft des Jahres 2001, die die logistische Plattform und Operationsbasis der Al-Quida-Attacken stellte, das Produkt eines von den USA und Europa mitverschuldeten Machtvakuums gewesen und keineswegs vom Himmel gefallen.

Es ist immer dasselbe: Der Westen interveniert im Herzen eines kulturellen Antipoden und Feindes und meint, die geostrategische Bedrohungslage dadurch für sich zu minimieren. Doch die langfristigen Folgen seiner Interventionen hat er nicht auf dem Schirm. „Wir gehen immer rein“, sagt in „Der Krieg des Charlie Wilson“ der Protagonist gegen Ende vorwurfsvoll zu einem US-Senator, der nach dem Sieg über die Sowjetunion keine Notwendigkeit für finanzielle Aufbauhilfen in Afghanistan mehr sieht: „Wir gehen immer rein – und dann verschwinden wir wieder. Aber der Ball rollt weiter.“ Wohl wahr: Regime-Changing haben Großmächte zu allen Zeiten praktiziert; doch wenn es funktionieren sollte, brauchen sie auch einen Folgeplan, eine Nachkriegsordnung, eine realistische Zielsetzung. Daran krankte es vor allem im Nahen Osten seit jeher.

Realistisch und rational war die Afghanistan-Politik des Westens nie. Nicht bei den englischen Unterwerfungsversuchen des 19. Jahrhunderts, nicht bei der unbedachten militärischen Aufrüstung der Mudschaheddin, und auch nicht mit der Etablierung der ersten echten „demokratischen“ Regierung unter Hamid Karzai 2002 und dem erfolgreichen Etappensieg des „War on Terror“ durch die Eliminierung Osama bin-Ladens. Man gab lediglich der Illusion hin, wenn man nur genügend Billionen Dollar und „Demokratiehilfe“ in eine voraufgeklärte archaische Gesellschaft pumpt, dann würde sich diese binnen kürzester Zeit zu einem blühenden, loyalen westlichen Bündnispartner mit freiheitlicher Grundordnung entwickeln und quasi im Zeitraffer all das nachholen, was sich die Europäer in einer unendlich leid- und schmerzvollen, blutrünstigen tausendjährigen Geschichte erkämpfen mussten. Diese Vorstellung war und ist mindestens so wahnsinnig wie der einstige Glaube der Kolonialmächte, ihre aufoktroyierte Weltordnung sei dauerhaft überlebensfähig.

In Wahrheit liegt dem jüngsten westlichen Afghanistan-Engagement sogar letztlich dasselbe imperiale und ideologische Herrenmenschentum zugrunde wie dem Kolonialismus von einst. Denn jener – anders als von „woken“ Antirassisten heute verkürzt vermittelt – zielte keineswegs nur auf Ausbeutung und Versklavung der „unterentwickelten“ Völker, sondern folgte auch damals schon dem wahnhaften missionarischen Sendungseifer, jenen die scheinbar überlegene westliche Kultur und Errungenschaften der Zivilisation zu bringen. Diese den Weißen auferlegte Last, von Rudyard Kipling im Gedicht „White Man’s Burden“ verklärt, wurde damals schon auf ähnliche Weise zum Selbstopfer stilisiert wie gut 100 Jahre später die angebliche „Verteidigung der Freiheit am Hindukusch“ (oder übrigens auch im Irak, in Mali, in Syrien).

Die Missionare und „Lichtbringer“ von heute kommen nicht im Begleitchor imperialistischer Eroberungstruppen ins Land, sondern es sind die Soldaten selbst, die in „humanitären Mandaten“ als Schutz- und Pioniertruppe gleichermaßen fungieren und wehrhafte Friedenssicherung, Aufbaudienste und (Aus-)Bildung der Zivilbevölkerung im Einsatzgebiet in Personalunion gewährleisten sollten. Der Gedanke indes, dass die solcherart beglückten Zivilbevölkerung im Operationsgebiet womöglich gar kein Interesse an dieser Form der Entwicklungshilfe haben könnte, ging den politisch Verantwortlichen nie in den Schädel. Analog zu ihrer beharrlichen Weigerung, im eigenen Land einzusehen, dass bei den großzügig aufgenommenen Flüchtlingen vielfach überhaupt keine Integrationswilligkeit besteht, so lag es auch außenpolitisch immer jenseits ihrer Vorstellungskraft, dass etwa Afghanen – aus atavistischen Stammesbeziehungen heraus, aufgrund ihrer vormittelalterlichen Vorstellungen von Recht und Rache, dank traditioneller Kodizes und Ehrbegriffe sowie vor allem ihrer strenggläubigen Sozialisation – die ISAF-Einheiten gar nicht als Verbündete oder als Chance sahen, sondern als fremde Eindringlinge und letztlich nur die nächsten kulturellen Usurpatoren.

Wer Heiko Maas noch vor zweieinhalb Monaten im Bundestag von der „lebendigen Zivilgesellschaft“, von „Demokratie“ und „Rechtsstaat“ in Afghanistan schwafeln hörte, dem wird das Ausmaß dieses tödlichen Realitätsverlustes bewusst. Dabei hätte die deutsche Politik einfach nur auf die eigenen Soldaten, auf die Afghanistan-Rückkehrer der Bundeswehr hören müssen, die zu jedem Zeitpunkt ein ernüchterndes und resigniertes Bild von der perspektivischen Aussichtslosigkeit dieser Mission zeichneten. Oder Berichten nachgehen sollen, was die korrupte Ghani-Regierung mit ihren Aufbauhilfen machte: Die Villen reicher Afghanen in Katar und Dubai geben einen Hinweis. (Anders wird es übrigens auch nicht mit den jetzt schon wieder von der ruchlosen Merkel-Regierung erneut prompt zugesagten Millionenhilfen diesmal zugunsten der Taliban sein – wobei diese wohl zunächst in Vernichtungswaffen gesteckt werden.)

Wie ein Menetekel liest sich das bereits 2010 vom vormaligen Nachrichtenoffizier Marc Lindemann verfasste Buch „Unter Beschuss“, in dem er hellsichtig all das vorwegnahm, was 10 Jahre später noch immer ignoriert wurde. Schon damals konstatierte Lindemann bitter: „Man hat sich gescheut, in Deutschland die Wahrheit zu sagen“. Dieses Urteil sollte sich als zeitlos erweisen – und zwar nicht nur, was das deutsche Himmelfahrtskommando in einem Failed State anlangt, das am Ende 59 deutsche Soldaten das Leben kostete; sondern auch was die Folgen der Flüchtlingspolitik in Deutschland selbst betrifft.

Und nach wie vor ignorieren die politisch Verantwortlichen die dringenden Warnungen der heimgeholten Truppen, bloß keine falsche Erwartung in die „deutschen Ortskräfte“ zu setzen (sofern es sich überhaupt um solche handelt – weil sich inzwischen jeder fluchtwillige Afghane als solche ausgibt): Oberst a.D. Thomas Sarholz beklagte erst diese Woche, die deutschen Medien zeichneten ein groteskes Zerrbild von diesen Hilfskräften. Diese hätten zwar für hohe Entlohnung gearbeitet; doch „innerlich“, so Sarholz, „verachten uns diese Menschen“.

Noch einmal zurück zur Nachhaltigkeit von Militäreinsätzen: Hätte sich der Westen der harten Realität gestellt, dann hätte er entweder ein auf Jahrzehnte ausgelegtes robustes Mandat unter erheblich stärkerer militärischen Kapazitäten aufbieten müssen – oder er hätte viel früher den geordneten Rückzug antreten müssen. Für letzteres hatte sich bekanntlich Donald Trump entschieden – als er zwar das amerikanische Deployment beschloss, jedoch sehr wohl wusste, dass dieser Abzug in keiner Nacht- und Nebelaktion erfolgen dürfe, und schon gar nicht im Angesicht einer drohenden Kapitulation der verbündeten afghanischen Regierung samt ihrer vom Westen ausgebildeten Truppen. Der Fehler des überhasteten Abzugs aus dem Nordirak sollte nicht wiederholt werden.

Dann kam Biden an die Macht – und der versaute es gründlich, in Tateinheit mit den außen- und sicherheitspolitisch nicht minder dilettantischen Deutschen: Ebenso feige wie chaotisch schaffte die Allianz ihre Truppen und Hilfskräfte außer Landes (was den US-Streitkräften natürlich deutlich besser gelang als der Bundeswehr), überließen Kabul und das Land den Taliban – und traten damit alles in den Staub, wofür sie 20 Jahre völlig umsonst gekämpft hatten.

Und mit den Scherben dieser Politik wird nun jeder so umgehen, wie er es am besten kann: Die Deutschen signalisieren wieder mal grenzenlose Aufnahmebereitschaft. Briten und Franzosen wollen „stabilisieren“. Und die USA setzen auf Militärschläge – und sind damit wieder exakt beim Ausgangspunkt ihres afghanischen Abenteuers angelangt. Dafür hätten sie erst gar nicht abziehen brauchen.

Was aber alle im Westen gleichermaßen zu spüren bekommen werden, ist der erstarkende militante Islamismus und der ihm genuin innewohnende Terrorismus, der durch den erwiesenen moralischen und militärischen Totalbankrott der Allianz einen nie dagewesenen Auftrieb erfahren dürfte. So wird am Ende dieser Konflikt seinen blutigen Tribut doch noch in London, Paris, New York und auch Berlin fordern. Bei uns vielleicht diesmal sogar früher und intensiver als anderswo – denn islamistische Schläfer und Taliban-IS-Fans haben wir uns in den letzten Jahren reichlich ins Land geholt. Und auch jetzt, bei den ersten 4.000 ausgeflogenen Afghanen, haben wir schon wieder keinen blassen Schimmer, wer da eigentlich zu uns evakuiert wurde. „Ortskräfte“ waren es jedenfalls so gut wie keine.

Klartext

von Daniel Matissek

Diesen Artikel gibt es für Sehgeschädigte auch als Podcast unter:
https://www.youtube.com/watch?v=0Iqc2U6OF_M

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