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Kommando Spezialkräfte (KSK) – ein heimlicher Staatsfeind? 

 12. Juli 2020

von  Uwe Kranz

Die tausendköpfige Bundeswehr-Eliteeinheit „Kommando Spezialkräfte“ (KSK) wird in einem Brief eines KSK-Hauptmannes an die Bundesverteidigungsministerin „rechtsextremer Umtriebe“ verdächtigt, die „ignoriert oder gar toleriert“ würden“, es herrsche eine Kultur des Wegschauens, wenn es um „eklatante rechtsextreme Tendenzen“ gehe.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) verkündete, unverzüglich eine Null-Toleranz-Linie gegenüber jedem einzelnen Fall von Extremismus zu verfolgen, setzte flugs eine Arbeitsgruppe (AG/KSK) für tiefgreifende Reformen ein, versprach, den Augiasstall KSK „mit eisernem Besen“ durchzukehren[1]und schloss prima vista sogar eine Auflösung des Kommandos nicht aus (übrigens eine Forderung der Partei der Linken).

Dass die umstrittene Eva Högl (SPD), die nach heftiger parlamentarischer Kabale erst wenige Tage zuvor als Wehrbeauftragte des Bundestages vereidigt worden war[2], da nicht zurückstehen wollte, war klar. Sie ist von Hause aus Juristin mit sozial- und europapolitischen Schwerpunkten. Juristen können aber bekanntlich alles, warum nicht auch Wehrbeauftragte? Um dringend an ihrem wehrpolitischen Renommee zu arbeiten und der dynamischen Vorwärtsverteidigung der CDU-Ministerin wenigstens ein klein wenig Paroli bieten zu können, war eine ihrer ersten Amtshandlungen eine Blitzvisite des Standorts des KSK-Kommandos im schwäbischen Calw. Ihr erstes Statement war, dass sie sich insgesamt „mehr Transparenz, vielleicht eine geringere Dauer des Einsatzes in so einer Elitetruppe und vor allen Dingen noch viel mehr Personen, die bunt und vielfältig sind“ wünsche“ – ist eine „buntere“ Truppe[3] wirklich die Lösung, eine „Diversen-Quote“ im KSK oder vielleicht gar ein ganzheitlicher LGBTQ[4]-Ansatz? Schauder!

Ein schwerer Start im neuen Amt: Einerseits „Anwältin der Soldaten“, andererseits zugleich Hilfsorgan des Parlaments bei der Kontrolle der Streitkräfte, das alles als militärische Laiin -und noch dazu als 13.Wehrbeauftragte! Man muss inständig hoffen, dass sie die Einsichten und Erfahrungen mit Rechtsextremismus/-terrorismus, die sie über zwei Legislaturperioden (2012 – 2017) im Bundestags-Untersuchungsausschuss „Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)“ sammeln konnte, nicht mit zwanghaft anti-rechten und parteipolitischen Reflexen auf die aktuellen Vorwürfe gegen das Kommando Spezialkräfte überträgt, sondern sachlich und abgewogen prüft – „Gerechtigkeit gegen Jedermann“, so wie sie es mit ihrem Amtseid geschworen hatte.

Gerechtigkeit, Neutralität und faire Behandlung müsste das KSK insgesamt aber nicht nur von Parlament, Politik und Justiz erfahren, sondern auch von der sogenannte „Vierten Gewalt“, den Medien. Ermittelte Einzelfälle zu einem „braunen Rauch, der seit Jahrzehnten aus dem KSK aufstieg“ sozusagen „relotiusmäßig“ zu verdichten, ist eine Diffamierungs- und Schmutzkampagne, eine mediale Hetzjagd, die zu unterlassen ist[5]. Die tatsächliche Sachlage gibt keinen ernsthaften Grund, in die Dramatisierungs- und Skandalisierungsorgien einzelner Interessen- und Medienvertreter einzusteigen, eventuell gar nur, um die Auflagenzahlen hochzutreiben.

Ja, es gab den in den letzten 24 Jahren seit der Gründung des KSK auch dort rechtsextreme Zwischenfälle. Es gab rassistische Äußerungen, rechtsextreme Symbole wurden verwendet und Mitte Mai 2020 wurden sogar in einem Extremfall Waffen, Munition und Sprengstoff sichergestellt, die ein KSK-Ausbilder über die Jahre gestohlen und gehortet hatte[6]. Ihm wird Beteiligung an rechten Netzwerken vorgeworfen, die Ermittlungen sind im vollen Gang und werden mit „voller Härte und Konsequenz“ durchgeführt (Verteidigungsministerin AKK). Als beunruhigend“ und „alarmierend“ bezeichnete die Ministerin neueste Erkenntnisse, denen zufolge beim KSK 48.000 Schuss Munition und 62 Kilogramm Sprengstoff verschwunden seien. Nun müsse dringend geklärt werden, ob nur über Jahre hinweg schlampig Buch geführt worden war oder ob im großen Stil Kriegsmaterial entwendet wurde.[7]

Und ja, das KSK ist als „härteste Einheit“ überproportional betroffen. Dort wird nach Aussage des Präsidenten des Militärischen Abschirmdienstes (MAD), Christof Gramm,[8] derzeit in 20 Fällen wegen Extremismus-Verdachts ermittelt, Anfang 2019 sei es etwa die Hälfte gewesen.

Und ja, diese Vorfälle wurden in den vergangenen Jahren signifikant unterschätzt. Den genaueren Blick auf extremistische Sachverhalte verdanken aber militärische Führung und MAD eigentlich einige wenige,aber besonders gravierende Fällen der jüngeren Vergangenheit:

  • Der Bundeswehroffizier Franco A. gab sich 2017 als syrischer Flüchtling aus und besorgte sich eine Waffe, mutmaßlich um als „Flüchtling“ Attentate zu begehen, um dadurch Fremdenfeindlichkeit zu provozieren. Dafür soll er sich eine bei ihm sichergestellte Namensliste potentieller Opfer angefertigt haben. Sein Fall wird in Kürze vor dem OLG Frankfurt verhandelt.
  • Der Unteroffizier André S., KSK-Soldat und Gründer des „Prepper[9]-Netzwerks-Hannibal“, geriet auch 2017 ins Fadenkreuz von MAD und Bundesverfassungsschutz. Er gründete gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Verfassungsschutzes (!)[10]den Verein „Uniter“, der eine Schattenarmee innerhalb der Truppe aufbauen und Vorbereitungen für den „Tag X“ der Machtübernahme treffen sollte. Nach Aussagen von Vereinsmitgliedern sollen sich in den diversen Kampfgruppen (u.a. auch das „Nordkreuz“, eine Gruppe von mindestens 54 rechtsextremen deutschen Preppern) etwa 200 ehemalige und aktive Bundeswehrsoldaten engagiert haben. Andre S. verließ die Bundeswehr im Oktober 2019 und kam so einem Disziplinarverfahren zuvor. Das Oberlandesgericht Frankfurt fand keinen hinreichenden Terrorverdacht gegen ihn und stellte das Verfahren ein. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm jedoch weiterhin die Planung von rechtsextrem motivierten Anschlägen vor und prüft derzeit die Prozessvoraussetzungen.
  • Ganz neu ist der der Fall eines Unteroffiziers der Reserve, über den die Presse am 30.06.2020 berichtete. Der MAD wurde auf ihn aufmerksam, weil er in rechtsextremen Chatgruppen kommunizierte und Propagandamaterial und Hetzschriften austauschte. Auf Datenträgern wurde bei ihm u.a. auch eine Politiker- und Prominentenliste mit 17 Namen[11] sichergestellt. Derzeit wird geprüft, ob mit der Liste gewaltsame Aktionen gegen diese Personen verbunden werden sollten.

Aber so schlimm diese Fälle auch sind, es muss dennoch betont werden: Es sind Einzelfälle. Und die allermeisten Fälle sind immer noch Verdachtsfälle. Und sie wurden aufgedeckt von Vorgesetzten, von eigenen Kameraden – und vom Militärischen Abschirmdienst (MAD), der aktuell um 400 neue Dienstposten verstärkt wird. Interne Dienstaufsicht und externe Prüfung durch den MAD funktionieren also, die enge Zusammenarbeit zwischen Militär, Polizei und MAD hat sich bewährt und wird zur Bekämpfung von Extremismus in der Bundeswehr effektiv fortgesetzt.

2019 enttarnte der MAD in der ganzen Bundeswehr tatsächlich nur 14 Extremisten, davon acht Rechtsextremisten und vier Islamisten. Bei weiteren 38 Beschuldigten wurde „fehlende Verfassungstreue“ festgestellt, 27 davon werden als rechtsextrem, vier als islamistisch und einer als linksextrem eingestuft. Aktuell gebe es in der ganzen Bundeswehr insgesamt 550 sogenannte „Verdachtsfälle“, die Zahl sei Dank intensivierter Beobachtung 2019 deutlich angestiegen.Zum Größenvergleich und besseren Verständnis: In der Bundeswehr dienen insgesamt 184.223 Soldatinnen und Soldaten, rund 1.000 davon im KSK.

Dass linke Bundestagsabgeordnete[12] jetzt lauthals „offene Berichte über Rechtsextreme“ in der Bundeswehr fordern, war zu erwarten und ist durchaus auch berechtigt, obwohl im Kern doch nur eine typische Politiker-Phrase, das Einrennen offener Türen;Denn der MAD hatte ohnehin längst angekündigt, im Zuge seiner Reform ab 2020 offizielle MAD-Tätigkeitsberichte zu veröffentlichen. Offene Berichte sollte es dann aber auch über Linksextreme oder Islamisten geben. Extremismus in jedweder Couleur hat im Militär nichts zu suchen.Alle Soldaten, die sich nicht für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einsetzen, sondern diese bekämpfen wollen, müssen aus dem Dienst in den Streitkräften entfernt werden.

Das KSK darf jetzt jedoch nicht unter Generalverdacht gestellt werden und die Vorfälle dürfen

nicht dazu führen, dass der MAD jetzt großflächige Gesinnungsprüfungen durchführt oder dass Soldaten angehalten werden, seitenlange Berichte über Kameraden und Vorgesetzte zu schreiben, sozusagen als “IM 2.0“. Für die Jüngeren: IM waren „Informelle Mitarbeiter“ des DDR-Staatsicherheitsdienstes, der Stasi, die solche Berichte schrieben: Über Arbeitskollegen, Vorgesetzte, Lehrer, Schüler, selbst über Familienmitglieder). Die bittere Wahrheit: Solche Denunzianten-Berichte liegen dem Verteidigungsausschuss tatsächlich schon vor – und das beschädigt das innere Gefüge des Militärs vermutlich schwerer, als manch einzelne rechtsextreme Parolen.

Und ja, „viel zu lange ist nicht richtig hin- oder sogar weggeschaut worden.” Dafür sind aber die Führungskräftein die Pflicht zu nehmen, die dem Prinzip der Inneren Führung nicht nachkamen, die den „Staatsbürger in Uniform“ nicht ausbildeten und den Dienst nicht dementsprechend ausrichteten. Seit mehr als einem Jahr untersucht das geheim tagende Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestags (PKGr) rechtsextremistische Bestrebungen in der Truppe. Seit knapp drei Wochen arbeitet die AG/KSK. Am 30.06.2020 folgten dann knallharte Taten: Verteidigungsministerin Annegret Kamp-Karrenbauer löste die Einsatzkompanie auf, in der sich die extremistischen Vorfälle besonders gehäuft hatten. Damit bleiben dem KSK nur noch drei Einsatzkompanien, die jedoch auch „drastisch reformiert“ werden sollen. Die Option der Auflösung bleibe zudem bestehen. Ihre Begründung: Das KSK habe sich „in Teilen verselbstständigt, auch weil es eine toxische Führungskultur einzelner gab – daraus folgt, dass das KSK nicht in seiner jetzigen Verfassung bestehen bleiben kann“. Hallo? Wenn es denn „toxische Führer“ gab, sind diese aus dem Dienst zu entfernen, genau wie jene, die solchen (Ver)Führungskräften folgen. Dazu muss man aber nicht ganze Elite-Einheiten auflösen und insgesamt diskreditieren. Das haben diese Soldaten nicht verdient, denn sie sind es, die in höchst gefährlichen Situationen unter eigener Lebensgefahr für uns den Kopf hinhalten, um „Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“, so, wie sie es geschworen haben. Würde man die gleichen Maßstäbe auch in der Politik anlegen, wären so einige Posten und Ämter verwaist.

„Toxische Führungsskultur“ .. das waren genau die Worte des KSK-Hauptmannes, der mit seinem Brief an die Verteidigungsministerin den Stein ins Rollen brachte. Auftrag ausgeführt, Bunte Truppe marsch!!

Uwe Kranz

(Uwe G. Kranz, Gründer und ehemaliger LKA-Chef Thüringens und langjähriger nationaler Experte bei Europol, schreibt jetzt exklusiv für HALLO MEINUNG, als Experte in in Sicherheits- und Terrorismusfragen.)


[1] Tagesschau, 13.06.2020

[2]Am 28.05.2020

[3] https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/missstaende-bei-ksk-beklagt-100.html

[4] Engl. Akronym: Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer

[5]https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/gewachsenes-braun; Ausgabe 26/2020

[6] https://www.n-tv.de/panorama/KSK-Soldat-hortet-Waffen-und-Sprengstoff-article21778884.html

https://www.saechsische.de/waffen-bei-ksk-soldat-in-sachsen-entdeckt-5204024.html

[7] https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-06/ksk-teilweise-aufgeloest-annegret-kramp-karrenbauer

[8] https://www.welt.de/politik/deutschland/article205345539/MAD-550-Bundeswehr-Soldaten-unter-Rechtsextremismus-Verdacht.html

[9] Prepper – abgeleitet von „toprepare“, vorbereiten

[10] https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-03/uniter-verein-verfassungsschutz-militaertaktik-rechtsextremes-netzwerk

[11] PNP v. 30.06.2020, nennt, unter Berufung auf den Spiegel: Heiko Maas, Sigmar Gabriel, Franziska Giffey, MauelaSchwesig, Malu Dreyer, Olaf Scholz und Martin Schulz (SPD); Annalena Baerbock, Robert Habeck und Cem Özdemir (Grüne); Katja Kippling, Gregor Gysi und Dietmar Bartsch (Linke); Christian Lindner (FDP); Til Schweiger (Schauspieler)

[12] MdB Tobias Pflüger (Linke)


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  • Meine Meinung ist die Bundeswehr sollte uns im Verteidigungsfall auch verteidigen können und nicht mit Wattebäuchchen werfen. Zu viele Frauen in Schlüsselpositionen.

  • Die „Bundeswehr“ (Wehr des Bundes), sollte keinerlei Auslandseinsätze durchführen. Rausgeschmissenes Geld. Sie sollten hier in Deutschland an den Grenzen stationiert werden und jeden, der OHNE gültige Papiere hier einreisen will erstmal festsetzen. Es gibt genug Gründe, unser Vaterland gegen Landfriedensbruch und gewisse bekannte „Klientel“ zu verteidigen. Wenn die Polizei dafür überfordert ist, muss die Bundeswehr eingreifen. (Siehe Amerika – Nationalgarde). Ich bin strikt dagegen, dass mein Steuergeld für Auslandseinsätze verpulvert wird.

  • Dort treibt die selbe Krankheit ihr Unwesen wie sie es allgemien schon unsere Gesellschaft befallen hat – sinnlose Verallgemeinerung. Man könnte glatt meinen wer heutzutage noch zu differenzieren weiß ist altmodisch.

  • Wieviel von dem, was widerliche Denunzianten so weitergeben, wird wohl stimmen ? Diese charakterlosen ‚Wesen‘ finden nun endlich die Möglichkeit, unbeliebte Vorgesetzte, nicht gemochte Kollegen mit Schmutz zu bewerfen, wohl wissend um die alte Weisheit : „Verleumde immer nur fleißig – es bleibt immer etwas hängen“. Solche „Kollegen“ sind der wahre, innere Feind in der BW, sie säen Mißtrauen und zerstören das kameradschaftliche Miteinander, auf das gerade eine Truppe, eine Einsatztruppe im Besonderen, dringend angewiesen ist !

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