.st0{fill:#FFFFFF;}

Massaker im Schweinestall 

 26. Oktober 2020

von  Daniel Matissek

von Daniel Matissek

Der für Tierquälereien und untragbare Zustände verantwortliche Schweinemastbetrieb aus Rottweil zeigt sich weiterhin uneinsichtig

Nach dem Skandal um die alptraumhaften Zustände im Schweinezuchtstall des bisherigen Kreisbauernverband-Obmanns von Rottweil und Ortsvorstehers von Flözlingen, Manfred Haas, scheinen Einsicht und Reue seitens des verantwortlichen Unternehmens weiterhin Fehlanzeige.

Anfang Oktober hatte die SOKO Tierschutz die grauenhaften Zustände auf dem Hof des baden-württembergischen Landwirts aufgedeckt, der aufgrund seiner öffentlichen Mandate eigentlich einer besonderen Vorbildfunktion hätte gerecht werden müssen: Hunderte, verletzte Tiere, viele mit schwersten Verstümmlungen, sowie zahllose, kranke Tiere, ausdrücklich nicht isoliert, wurden dort unter unbeschreiblichen hygienischen Verhältnissen gehalten.

Ausgerechnet im Betrieb des Bauernfunktionärs Haas also, der in der Region als ein modellhaftes Aushängeschild für konventionelle Landwirtschaft galt, der in der Kommunal- und Landespolitik bestens vernetzt ist und einflussreiche Freunde sowie Unterstützer hinter sich weiß, taten sich regelrechte Abgründe auf. Die Tierschützer berichteten von bedrückenden Szenen: Schwache Tiere seien von ihren gestressten Artgenossen „bei lebendigem Leib aufgefressen“ worden, regelrecht zerfledderte Tierkörper lägen herum und im Stall stapelten sich die Kadaver toter Schweine.

In den Boxen der Zuchtsauen lagen Tiere „eingezwängt in engen Kastenständen in einer wässrigen Brühe aus Fäkalien“, so ein Augenzeuge, und im Stall seien „sterbende und stark abgemagerte Tiere“ vorgefunden worden, darunter junge Ferkel oder eine von Wunden übersäte Zuchtsau, ebenso wie schwerstverletzte Jungschweine. Auf von der SOKO gezeigten, verdeckt aufgenommenen Videobildern ist zu sehen, wie der Landwirt Schweine schwer misshandelt; in einem Fall trägt er sie etwa grob an einem Fuß umher, schlägt sie oder wirft die Tiere zu Boden. Der Stall ist dabei hoffnungslos verdreckt, voller Fliegen und Kot.

Zwar ist der Verantwortliche dieser Missstände, nachdem darüber die Lokalpresse wie später dann auch überregionale Medien berichtet hatten, als Vorsitzender des Kreisbauernverbands zurückgetreten; sein politisches Engagement als Ortvorsteher wollte er jedoch nicht beenden, obwohl ihm der Gemeinderat den Rücktritt dringend nahelegte. Und statt sich zu den von der SOKO Tierschutz aufgedeckten Missständen zu bekennen, setzen Manfred und seine Frau Dunja anscheinend auf Abschottung und gehen in die Offensive. Die Berichterstattung der Lokalpresse, unter anderem des „Schwarzwälder Boten“, bezeichnen sie als eine Art Rufmordkampagne, und den Tierschützern wirft insbesondere Haas‘ Ehefrau vor, sie würden völlig normale Zustände zum Skandal aufbauschen. So redete Dunja Haas etwa – reichlich zynisch – von „natürlichen Kreisläufen“ in Schweinezuchtbetrieben. Die wohldokumentierten Missstände spielt sie als Ergebnis einer arttypischen „Neugier der Tiere“ herunter, die „halt gerne knabbern“ würden; außerdem jucke es Schweine „immer an den Ohren“, deshalb ließen sie sich auch mal „anknabbern von ihren Artgenossen.“

Nicht nur die Aktivisten der SOKO Tierschutz fragten sich spätestens hier, ob es sich bei den Einlassungen der Bäuerin um einen schlechten Scherz handelte – oder ob hier wirklich auch der letzte Rest an Empathie verloren gegangen ist. Auch die Versuche des Skandalbetriebs, durch eine „Imagekampagne“ den Vorwürfen entgegenzusteuern, etwa durch „Showbilder von Schweinen im Stroh“ oder durch Verweis auf die angeblich einwandfreien Zustände bei der Unterbringung der Rinder in demselben Betrieb, muten mehr als grotesk an. Die Botschaft soll hier wohl lauten: Seht her, die Vorwürfe gegen uns sind unbegründet, wir sind die eigentlichen Leidtragenden. „So geht Täter-Opfer-Umkehr“, kommentiert die SOKO dieses Verhalten.

Soweit veterinärmedizinische und amtliche Auflagen verletzt wurden – was sich kaum abstreiten lässt – versuchen sich die Schweinemäster, nach bewährtem Muster, bequemerweise mit der Corona-Krise herauszureden. Fakt ist jedoch, dass der Stall um 150 Prozent überbelegt war – eine schwerwiegende Straftat, und so etwas rechtfertigt auch eine Härtesituationen wie die aktuelle Pandemie nicht. Wieso es nicht möglich gewesen sein soll, die Tiere in würdigeren Verhältnissen zu halten und beispielsweise leer stehende Stallflächen zu nutzen – das wurde vom Ehepaar Haas bislang nicht beantwortet.

Am meisten betroffen macht die Tierschützer die Tatsache, dass in den Horror-Stallungen noch bis mindestens März 2021 Tiere gehalten werden dürfen. damit es in Zukunft zu keinen „Whistleblowern“ oder ungebetenen Besuchen von Undercover-Tierschützern mehr kommt, sollen demnächst Videokameras das Gebäude abschirmen. Und: Ein Manfred Haas drohendes Tierhaltungsverbot kann problemlos umgangen werden, indem der Betrieb dann von seiner Ehefrau weitergeführt wird. Düstere Aussichten also für die Nutztiere in Flözlingen.

Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen

__CONFIG_group_edit__{}__CONFIG_group_edit__
__CONFIG_local_colors__{"colors":{},"gradients":{}}__CONFIG_local_colors__
  • Unsere Vorzeigebürger und Moralapostel, hinter den Kulissen sieht es oft anders
    aus.
    Was könnten diese Personen nun mit einigen unserer Politiker zutun haben ?
    Ganz einfach, jedes öffentlich bekannt gewordene Versagen wird jetzt und in
    Zukunft mit der hochgespielten Corona Pandemie entschuldigt !

  • Tierschutz steht im Grundgesetz, was aber leider keine Auswirkungen hat, da Tiere wirtschaftlich als „Sachen“ gehandelt werden dürfen. Übelste Tierquälerei gilt immer noch in unserer Gesellschaft als „Kavaliersdelikt“.
    Der Tierquäler wird deshalb juristisch nicht viel zu befürchten haben.

  • {"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}
    >