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Religion oder Kultur – Was trifft wirklich zu? Die Hilflosigkeit der westlichen, freiheitlichen Demokratien 

 29. November 2021

von  Buergermeinungen

Mit meinem Beitrag möchte ich auf eine Situation hinweisen die ein großer Teil der Bevölkerung und der verantwortlichen Politik in den westlichen, freiheitlichen Demokratien in ihrer Schärfe und Tiefe bis heute nicht erkannt haben, bzw. nicht wahrnehmen möchten. Mein Anliegen ist es nicht Menschen verschiedener Religionen und Glaubensüberzeugungen gegeneinander aufzubringen, sondern Entwicklungen und Realitäten zu benennen, die ich als eine Gefahr für den freiheitlichen, demokratischen Staat ansehe.

Nehmen wir das Thema Krieg. Sehr oft und auch sehr schnell wurde mir in der Vergangenheit und dies ist auch heute noch so, im Gespräch mit Verwandten, Nachbarn, Arbeitskollegen usw. der Hinweis gegeben, dass die Religionskriege am schlimmsten waren. Die haben am meisten Unheil und viel Feindschaft unter die Menschen gebracht. Wenn ich dann konkret nach den Religionskriegen frage, erhalte ich wie aus der Pistole geschossen die Antwort: die Kreuzzüge und die mörderischen Auseinandersetzungen zwischen den Katholiken und den Protestanten.

Ich muss jedoch zugeben, dass dann die Diskussion mit mir anstrengend bzw. schwierig wird. Schwierig, weil ich gegenüber den anderen Personen dann Fragen stelle. Zunächst bleibe ich in Europa. Zum Beispiel: war der Krieg von Napoleon gegen andere Staaten in Europa ein Religionskrieg? War der deutsch-französische Krieg ein Religionskrieg? War der erste Weltkrieg ein Religionskrieg? War der Zweite Weltkrieg ein Religionskrieg und waren die zurückliegenden, europäischen Kriege zwischen Spanien, England, Frankreich, Preußen, Österreich usw. Religionskriege oder ging es da nicht um Macht, um Einfluss und um wirtschaftliche Interessen? Dann nenne ich Kriege, die außerhalb von Europa stattgefunden haben. Japan gegen die USA, Japan gegen China, Japan gegen Russland, Russland gegen China, Bürgerkrieg in den USA usw.

Mit anderen Worten, die meisten Kriege auf dieser Welt waren keine Religionskriege, sondern es waren Macht- und Eroberungskriege mit wirtschaftlichen Interessen.

Aber auch lange vor der sogenannten modernen, aufgeklärten Zeit spielten Religionen bei einem Krieg mehr oder weniger nur eine untergeordnete Rolle, zumeist hatten sie jedoch überhaupt keine Bedeutung. Nehmen wir das Militärreich Rom. Diese Militärmacht gestattete einem besiegten Volk weiterhin an seine Götter zu glauben. Man verlangte nur, dass auch die Götter der Römer respektiert und nicht verachtet werden. Die römische Besatzungsmacht ließ zum Beispiel der jüdischen Bevölkerung ihren Glauben an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs und den Germanen ebenso ihren Glauben an Wotan und andere germanische Gottheiten. Ausnahme war dann später gegen die Christen. Zunächst gab es keine Verfolgung gegenüber diesen Menschen. Das hatte seinen Grund.

Die Römer verehrten unter anderem auch die Sonne als eine Gottheit. Und weil die Christen in ihren Gottesdiensten von der Sonne sprachen, dachten die Römer diese würden die Sonne verehren. Später erkannten sie, dass die Sonne lediglich ein symbolisches Bild von Jesus, den Sohn Gottes ist und diese Menschen nur an einen Gott glaubten, den sie „himmlischen Vater“ nannten. Und von dort an änderte sich die Einstellung der Römer gegenüber den Christen. Denn nur an einen Gott zu glauben, den man noch „himmlischer Vater“ nennt, war für sie eine Lästerung der Götter und eine Verachtung gegenüber dem Kaiser. Dies nur als Randnotiz.

Wenn man sich mit den Ursachen der Kriege beschäftigt müsste eigentlich jeder zum Ergebnis kommen, dass die wenigsten Kriege bis jetzt Religionskriege waren. Ja, man kommt sogar zum Ergebnis, dass erst im siebten und achten Jahrhundert nach Christus zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte Kriege geführt wurden, um eine Religion zu verbreiten. Hiermit meine ich die Expansionskriege des Islams.

Zum ersten Mal wurden Länder überfallen und angegriffen, um die dort wohnenden Menschen zum Islam zu bekehren. Dies gab es zuvor nicht. Ursache hierfür war der islamische Missionsbefehl. Es ging weniger um Ausbeutung, sondern um die Vermehrung und Verbreitung des islamischen Glaubens an Allah und die Errichtung eines Gottesstaats auf dieser Erde.

Einige Jahrhunderte später reagierte die päpstliche Kirche mit Angriffskrieg gegen den Islam, weil sich durch deren Expansionskriege in der Vergangenheit die römisch-katholische Kirche in ihrer Macht immer mehr eingeschränkt fühlte und die Befürchtung hatte ihre Stellung in der damaligen Welt zu verlieren. Dies war zwischen 1095 und 1300 nach Christus mehrmals. Diese Kriege sind unter dem Begriff Kreuzzüge bekannt und wurden brutal durchgeführt. Hintergrund dieser Kreuzzüge war die Zurückeroberung von Jerusalem und von besetzten Landflächen, aber auch um Öffnungen von Handelswegen in den Orient zu ermöglichen. Es ging also nicht darum die muslimischen Menschen, aber auch nicht die jüdischen Menschen, zum christlichen Glauben zu bekehren, sondern Machtinteresse war der wirkliche Hintergrund.

Der Religion Buddhismus wird, und dies zum größten Teil aus den westlichen Demokratien, eine Friedfertigkeit bescheinigt. Dem ist nicht so. Der Buddhismus hat keine Kriege gegen andere Nationen geführt, aber untereinander hat man sich schon bekämpft. Denn auch dort gab und gibt es bis heute unterschiedliche Lehrrichtungen. Die Farbe der Gewänder der Buddhisten bringt dies zum Ausdruck. Am bekanntesten sind die gelben und roten Gewänder. Der Hintergrund dieser Auseinandersetzungen war jedoch nicht: glaube ich dies oder jenes, sondern Machtansprüche.

Auch in der islamischen Religion kam es sehr früh zu Spaltungen. Auslöser dieser Spaltung war die unterschiedliche Auffassung, wer nach dem Tode des Propheten der rechtmäßige Nachfolger ist. Die bekanntesten Gruppen aus dem islamischen Bereich sind die Sunniten und die Schiiten. Bei ihnen geht es nicht um einen Streit um Allah, sondern um den richtigen und rechten Weg zu Allah. Und um diesen Weg wird erbittert zwischen diesen beiden Gruppen im Islam gekämpft.

Die Spaltungen im Christentum sind ebenfalls bekannt. Die brutalste Auseinandersetzung zwischen den Protestanten und Katholiken fand zwischen 1618 und 1648 nach Christus statt. Auch bei dieser kriegerischen Auseinandersetzung ging es nicht darum wer Gott ist, auch nicht darum ob Jesus der Sohn Gottes ist, sondern um Macht.

Im heutigen Buddhismus und im Christentum sind die Kämpfe überwunden. Die Auseinandersetzung zwischen Irland und Nordirland ist letztendlich auch kein Religionskrieg, sondern auch dort geht es „knallhart“ um Macht. Die Religion wird von Politik und entsprechenden Gruppen geschickt benutzt und vorgeschoben.

Im Islam haben wir dagegen eine ganz andere Situation. Sunniten und Schiiten bekämpfen sich heute noch so, wie vor tausend Jahren. Beide werfen sich gegenseitig vor keine wahren Moslems zu sein. Aber beide Glaubensrichtungen haben den Koran als Grundlage. Und beide Gruppen nehmen den Missionsbefehl im Koran sehr ernst und geben das Ziel, einen Gottesstaat auf dieser Erde zu errichten, nicht auf. Daher auch immer wieder die Anschläge gegen die sogenannten „Ungläubigen“, besonders gegen jüdische Menschen und Christen.

Um Menschen, die nun der Religion Islam angehören, nicht zu verletzen spricht man seit vielen Jahren in den westlichen Demokratien nicht vom religiösen, Koran-treuen Islam, sondern vom politischen Islam. Ebenso spricht man gerne von der fremden Kultur und nicht von der Religion. All diese Äußerungen werden nach meiner Auffassung nur ausgesprochen, um das Wort „Religionskrieg“ zu vermeiden. Schwäche und Angst der verantwortlichen Politik in den freiheitlichen Demokratien vor dem Islam lassen eine offene und ehrliche Diskussion nicht zu. 

Vielen Menschen in den freiheitlichen, demokratischen Staaten ist es egal an welchen Gott ein Mensch glaubt oder an was er überhaupt glaubt. Diesbezüglich will der größte Teil der Bürger in einem solchen Staat, was Glaubensfragen angeht,  in Ruhe gelassen werden. In einem säkularen, demokratischen Staat und Deutschland ist nun einmal kein christliches Land mehr, entscheidet der einzelne Mensch für sich an was er glaubt oder an was er nicht glaubt.

Aber wenn eine größere Gruppe aus einer Religion dies nicht annehmen kann, dann ergibt sich hieraus eine gefährliche Situation für eine freie Gesellschaft. Nun möchten nicht alle muslimischen Menschen einen Gottesstaat errichten und andere Menschen mit Gewalt zum Islam bekehren. Diese Tatsache muss man schon festhalten. Aber es gibt eben im Islam auch die andere Gruppe.

Nachdem die Theorie der Evolution in der Öffentlichkeit bekannt wurde entstand im sogenannten früheren christlichen Abendland die Frage: Gibt es einen Gott oder gibt es keinen Gott. Darüber wurde heftig in der Öffentlichkeit gestritten. Heute ist dieses Thema mehr oder weniger oder im Großen und Ganzen nur noch im privaten Bereich zu finden. Die neue Frage in der Öffentlichkeit heißt heute also nicht mehr, „gibt es einen Gott oder gibt es keinen Gott“, sondern sie heißt „wer ist Gott“. Ist es der Gott der Bibel oder ist es der Gott des Korans. Man höre auf bestimmte Rufe in der Öffentlichkeit.

Ich persönlich bin überzeugt, dass die säkularen und liberalen Muslime, ob in Deutschland oder in den anderen westlichen Demokratien, zu schwach sind und allein nicht die Kraft aufbringen können den religiösen, nach dem Koran ausgerichteten Islam, zu reformieren. Es ist aber notwendig diesen Bereich im Islam zu überzeugen, dass die Menschheit sich im 21sten Jahrhundert befindet und der Glaube in einem säkularen, demokratischen Staat eine Privatsache ist.

Die bestehende Problematik kann nur überwunden werden, wenn in unserem heutigen Land, aber auch in den anderen westlichen Demokratien, offen über diese Situation gesprochen und diskutiert wird. Die Politik der heutigen Zeit muss oder sollte ihre Strategie, was den Islam angeht, ändern. Hier wäre auch eine verstärkte Zusammenarbeit mit säkularen und liberalen Muslimen erforderlich, ebenso auch mit ehemaligen Muslimen, die sich aus der Religion Islam verabschiedet haben. Denn diese Menschen können wertvolle Hinweise über die Gedankenwelt der religiösen Muslime geben, weil die sichtbare und die geistige Welt im Kopf eines Koran-treuen Muslim, eine andere ist, als bei einem Menschen der die Evolution angenommen hat oder bei einem Christen, Juden und Buddhisten usw. Diese Tatsache wird oft nicht berücksichtigt. Es geht nicht darum Menschen verächtlich zu machen, die an Allah glauben. Das wäre vollkommen falsch. Sondern es geht um Klarheit, Wahrheit und Veränderung. Jedoch müssen Menschen, ob sie an die Evolution glauben oder ob sie Christen, Juden, Buddhisten, Muslime oder andere Gläubige sind, den Mut aufbringen über die Ursachen des religiösen Konfliktes zu sprechen. Denn die Auswirkung dieses Konfliktes wirkt ja tief in die Gesellschaft hinein.
Ein Schweigen bringt keine Veränderungen, sondern dies bringt nur die offene Diskussion.

Helmut Krcal, PHK i.R.

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