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Schul-Probleme 

 5. September 2020

von  Alexander Heil

Unsere Gesellschaft hat ein Problem. Eigentlich hat sie einige und sehr gravierende Probleme, doch eines davon ist essenziell für die mittel- und langfristige Zukunft aller hier lebenden Menschen: Bildung.

Der Nutzen einer allgemeinen Schulpflicht wurde bereits im Mittelalter erkannt, jedoch landesweit erst vor 100 Jahren gesetzlich geregelt. Eine Grundbildung für alle, unabhängig von Herkunft und Vermögen war und ist Voraussetzung für eine denkende und selbstbewusste Gesellschaft. Wenn Herkunft und finanzielle Mittel dabei keine Rolle spielen, ist allen gedient. Jeder profitiert.

Natürlich bietet dieser Ansatz auch Gefahren, denn Kinder und Jugendliche lernen das, was sie vorgesetzt bekommen. In der heutigen Zeit ist die Gefahr allerdings recht gering, da das geballte Wissen der Menschheit online für jeden verfügbar ist. Hier sind Lehrer gefordert, den Schülern beizubringen, die Informationen zu filtern, zu sortieren und richtig einzuordnen. Kinder sind von Natur aus neugierig und der Ansatz der Schulpflicht soll eigentlich dabei helfen, diesen Wissensdurst zu stillen und die Schüler zu selbstständig denkenden Menschen zu erziehen, die ihr Wissen weiterentwickeln und damit Wissen zu schaffen und zu erhalten.

Dabei stellen sich jedoch einige Probleme. Unsere Schulen sind in einem desolaten Zustand, sofern sie nicht privat betrieben werden. Staatliche Schulen haben mittlerweile einen Ruf, der eher abschreckt und wer kann, schickt seine Kinder nicht unbedingt auf die nächstgelegene Schule, sondern auf die, die nicht ganz so heruntergekommen ist. Die Lehrer spielen dabei eine untergeordnete Rolle bei der Auswahl – wenn man denn als Eltern überhaupt wählen kann oder will. Es sei denn, man legt nicht viel Wert auf Bildung und sieht die Schulpflicht eher als Gängelung.

Schulgebäude verfallen, weil kein Geld für die Instandhaltung da ist oder die Beantragung der Gelder so umständlich gehalten wird, dass es teilweise Jahre dauert, bis etwas bewilligt wird. Es fehlen qualifizierte Lehrkräfte, die auch Lebenserfahrung mitbringen und wissen, wie man mit der Schülerschaft umgehen muss. Dazu kommen noch – zig Steine, die Lehrern in den Weg gelegt werden, wenn es um ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag geht.

Allen voran klagewütige Eltern, die sich um ihr Herzchen sorgen und dann auch mal vor Gericht gehen, wenn sie der Meinung sind, dass der Lehrer unfair gehandelt hat. Immerhin ist das eigene Kind ja stets hochbegabt und ohne Fehl und Tadel. Mittlerweile gibt es Vereinigungen von Lehrern, die Fonds ins Leben gerufen haben, um Anwalts- und Prozesskosten finanzieren zu können, weil an vielen Schulen fast mehr Zeit damit verbracht wird, sich gegen klagende Eltern zu wehren, als den Unterricht vor- oder nachzubereiten.

Unsere Gesellschaft hat sich gewandelt. Wir leben in einer Welt, in der die meisten Menschen ausschließlich an sich denken. Solange es einem selbst gut geht, ist alles andere egal. Man selbst hat Recht und Rechte, die anderen liegen falsch und haben Pflichten. Dieses verquere Denken ist Teil des Problems, denn auf der Strecke bleiben die, die eigentlich unsere Zukunft bilden sollen: die Kinder.

Kinder sind heute Mittel zum Zweck, Werkzeuge, die man einsetzen kann, wie es einem beliebt um eigene Ansichten durchzudrücken. Natürlich wird der kleine Schatz auch stets in dem Glauben bestärkt, dass er im Recht ist und alle anderen nicht. Der Gegenpol, den die Lehrer bei dieser einseitigen und egozentrischen Art der Erziehung bilden sollten, ist quasi nicht mehr existent. Unsere Lehrer wurden eingeschüchtert und entmachtet, die neue Generation von Lehrern besteht entweder aus Quereinsteigern ohne relevante Kenntnisse in Sozialpädagogik oder aus ehemals verhätschelten und somit welt- und realitätsfremden Kindern, die ihre „Erfahrungen“ entsprechend weitergeben und so eine weitere Generation von egozentrischen, linear denkenden und mitlaufenden Menschen heranbilden.

Das Tüpfelchen auf dem „i“ ist zu guter Letzt die Rücksichtspolitik, die in den letzten 20 Jahren extrem zugenommen hat. Sicherlich müssen wir dafür sorgen, dass Kinder mit Lernproblemen ebenfalls die Chance auf Bildung haben. Wie wir schon vor vielen, vielen Jahren erkannt haben, ist es essenziell wichtig, dass möglichst viele Menschen einen möglichst hohen Bildungsgrad aufweisen, denn Wissen und Bildung – übrigens nicht zu verwechseln mit Intelligenz!–sind die besten Schilde gegen Manipulation und Extremismus.

Nur wurde der Gedanke, dass man auf die Schwächsten Rücksicht nehmen muss, geradezu pervertiert. In der Praxis geht es nicht mehr darum, dass man versucht, die „Schwachen“ auf das Niveau der „Starken“ zu heben, sondern die „Starken“ werden gebremst, um den „Schwachen“ nicht davonzuziehen. Das ist falsch gelebte Integration und Toleranz, eine fatale Rücksicht, die dazu führt, dass das Bildungsniveau sinkt.

Es werden Programme und Projekte ins Leben gerufen, die es möglichst einfach machen sollen, erfolgreich am Schulunterricht teilzunehmen – allerdings verbindlich für alle. Dies führt dann dazu, dass das Niveau stetig sinkt, denn man orientiert sich nach unten, nicht nach oben. Wie soll es da Wachstum geben? Wie soll man da die Neugier behalten? Wie soll man da etwas lernen, wenn zwanzig Schüler auf zwei einzelne Rücksicht nehmen müssen?

Wäre es nicht sinnvoller, die zwei Schüler so zu fördern, dass sie mit den 20 anderen mithalten können? Das kann und sollte auch abseits der Schule geschehen, doch hier in Deutschland legen wir den guten Schülern Ketten an und zwingen sie, ebenfalls schwach zu werden oder zumindest zu erscheinen, damit sich die zwei Schwachen nicht ausgeschlossen oder diskriminiert fühlen.

Wir leben eine pervertierte Form der Toleranz und Rücksicht und zerstören damit unsere Zukunft. Wir beschäftigen Lehrer, die aus behüteten Elternhäusern kommen und ihre isolierte Weltsicht unseren Kindern einimpfen. Wir haben uns daran gewöhnt, dass Leute ohne Ausbildung unsere Kinder unterrichten, nur damit nicht noch mehr Stunden ausfallen.

Wir achten wenn dann nur darauf, wie gut es unserem eigenen Kind geht und machen damit den wenigen guten Lehrern, die aus Überzeugung einen wahnsinnig harten Job gut erledigen wollen, das Leben noch schwerer. Wir bringen unseren Kindern bei, dass nur Abitur und Studium etwas zählen und wundern uns dann, dass es keine Handwerker mehr gibt. Wir loben unsere Kinder bis zum Gehtnichtmehr – und diese fallen dann aus allen Wolken, wenn sie im Arbeitsleben auf die harte Tour lernen müssen, dass sie eben nicht die Besten sind, sondern maximal Mittelmaß.

Unser desolates Schulsystem gleicht einem Flickenteppich aus Versuchen und Ansätzen, aus Ideologiewahn und Egozentrik. Wer kann, bringt seine Kinder überall unter, nur nicht in einer staatlichen Schule (auch wenn es durchaus Ausnahmen gibt). Warum schafft man nicht endlich bundesweit geltende, einheitliche Vorschriften? Warum gibt es keine bundesweit einheitlichen Lehrpläne, Prüfungen, Vorgaben? Föderalismus hat seine Vorteile, aber bei der Bildung ist dieser tödlich. Wir haben eine allgemeine Schulpflicht, doch sie ist ein Schatten dessen, was sie eigentlich sein sollte.

Wir sorgen dafür, dass Schüler das Minimum lernen und spalten die Gesellschaft somit immer weiter. Am Ende erhalten wir Schulabgänger und Studenten, die nur politisch korrektes Wissen vermittelt bekommen haben und gar nicht mehr in der Lage sind, eigenständig zu denken oder über den Tellerrand zu schauen. Statt Vielfalt und Wachstum gibt es dann nur noch ideologischen Einheitsbrei und die Forderung nach noch mehr Rücksicht und Toleranz.

Aber vielleicht steckt ja auch ein System hinter alledem? Fragen wir uns: Wer könnte denn etwas davon haben, wenn nur noch das Nötigste an Wissen vermittelt wird? Wer profitiert vom kaputtgesparten Schulsystem, das nur noch eine Farce ist?

Auf welche Schulen gehen die Kinder unserer Regierenden eigentlich?

von Alexander Heil

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  • „Wir leben in einer Welt, in der die meisten Menschen ausschließlich an sich denken.“
    Und die, die das nicht tun, werden hier als Gutmenschen und Maulkorbsklaven verunglimpft.

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