.st0{fill:#FFFFFF;}

Unser Gesundheitssystem auf dem Prüfstand – Teil 2 

 1. Mai 2020

von  Peter Joecken

Kliniksterben in Deutschland: Wenn Geld verdienen wichtiger wird als Patienten heilen

Es ist schon eine merkwürdige Gesundheitspolitik unserer Bundesregierung:
Einerseits betonen die gesundheitspolitischen „Experten“ Spahn und Lauterbach seit Jahren, in Deutschland gebe es zu viele Krankenhäuser und Krankenhausbetten. Andererseits geben sich Landespolitiker äußerst zurückhaltend, wenn es darum geht, in Konkurslage geratene Krankenhäuser zu schließen.

Sie wissen: Für die Bevölkerung ist ein wohnortnahes Krankenhaus ein hohes Gut. Und in allen Fällen quittieren Bürger die angekündigte Schließung ihres Heimatkrankenhauses mit überaus kraftvollem Protest.

Aktuell erlebe ich das in der Region Saarland/Rheinland-Pfalz. Dort wurden in den vergangenen beiden Jahren kleinere Kliniken geschlossen, die für die Bürger der betroffenen Regionen sehr wichtige Grundpfeiler ihrer Gesundheitsversorgung gewesen sind.

Eine weitere Klinik soll aktuell zum Sommer geschlossen werden. Entsprechend bilden sich Initiativen, die mit viel Engagement gegen diese weitere Reduzierung wichtiger Krankenhausbetten in der Region protestieren.
Bürgermeister intervenieren heftig bei der Landesregierung, es bilden sich Facebookgruppen, Gewerkschaften schalten sich ein.
Ist von einer drohenden Schließung eine Klinik betroffen, die unter kirchlicher Trägerschaft steht, wird es besonders emotional.
Schließlich erwartet unsere Gesellschaft von einem kirchlichen Träger ethische und moralische Glaubwürdigkeit. Und das selbstverständlich mit Recht. So geraten in diesen schmerzhaften und oft lange andauernden Schließungsdiskussionen immer wieder die in die Schusslinie, die gerade nicht dorthin gehören.

Die Verantwortung für die unrühmlichen Schließungsprozesse trägt die Bundesregierung. Mit der Einführung eines hochaufwändigen Abrechnungssystems für Krankenhausleistungen haben sie einen irrsinnigen Verwaltungsapparat aufgebaut, der hauptsächlich von Misstrauensbürokratie zwischen den Krankenhäusern und den Krankenkassen bestimmt wird.

Das Abrechnungssystem ist nicht per se falsch. Falsch ist aber, dass das es von vornherein mit dem Ziel, „Überkapazitäten“ im stationären Bereich abzubauen, systematisch unterfinanziert wurde.

Das ist Fakt. Und das ist beabsichtigt.

Die Idee der Bundesregierung dabei war es von Anfang des neuen Jahrtausends an, die vermeintlich schlecht funktionierenden Krankenhäuser durch eine erzwungene Unterfinanzierung in die Insolvenz zu treiben – ohne dass die Politik selbst Kliniken schließen muss. Hier findet das Prinzip „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“ perfide Anwendung.

Es ist für die Kliniken eine Situation, die sie seit langer Zeit aushalten müssen und die nach wie vor dem kaum nach vollziehbaren Ergebnis der Studie der Bertelsmann-Stiftung folgt. Nach ihm sollen noch 50 Prozent der vorhandenen Krankenhauskapazitäten abgebaut werden.(!!)

Besonders verwerflich ist für mich die Tatsache, dass in diesem Prozess die Ökonomie ein höheres Gewicht als Diagnostik und Therapie hat.
Die Folgewirkungen dieser restriktiven und perfiden Politik sind verzweifelte Versuche der Krankenhäuser und der Klinikträger, diesem Druck durch Prozessverbesserungen und Einsparungen zu begegnen. Seit einigen Jahren arbeiten fast die Hälfte der deutschen Krankenhäuser in einer chronischen Defizitsituation. Und was die Wenigsten wissen: Es gibt kirchliche Träger von Krankenhäusern, die der chronischen, von der Bundesregierung initiierten Unterfinanzierung dreistellige Millionenbeträge aus eigenem Vermögen entgegen gestellt haben. Und nun werden genau diese Träger im Rahmen der Schließungsprozesse einer medialen Hexenjagd preis gegeben, während die wahren Initiatoren in Berlin ihre Hände in Unschuld waschen.

Die Zitronen sind nach 15 Jahren dieser schlimmen Druckpolitik ausgepresst. Das Systemziel der Bundesregierung ist in Sicht. In immer kürzeren Abschnitten kommt es zu Schließungen insbesondere der kleineren Kliniken in diesem Land. Die Proteste richten sich nach wie vor mit aller Schärfe gegen die Klinikträger und gegen die Klinikleitungen und sie überschreiten oft das Maß an Fairness und einer wertschätzenden Diskussionskultur.

Die Schuldzuweisungen der Regionalpolitiker, der betroffenen Patienten und Mitarbeiter und der Gewerkschaften weisen völlig in die falsche Richtung.
Die, die derzeit für das „excellente“ Gesundheitswesen in Deutschland hoch gelobt werden, haben in Berlin das Gift angemischt, das mit kaum merklicher, aber für die betroffenen Krankenhäuser, die Patienten und Mitarbeiter schmerzhafter Weise seine tödliche Wirkung erzeugt.

Das Kliniksterben geht im Schatten der Corona-Krise weiter.

von Peter Joecken

Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen

__CONFIG_group_edit__{}__CONFIG_group_edit__
__CONFIG_local_colors__{"colors":{},"gradients":{}}__CONFIG_local_colors__
{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}
>