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Warum hat der Mensch verlernt, sich zu erinnern? 

 6. September 2020

von  Buergermeinungen

Mein Großvater sagte mir als Kind immer, dass ein Mensch mit seiner Vergangenheit im Reinen sein muss, damit er zuversichtlich in die Zukunft schauen kann. Metaphorisch betrachtet: „Ein Schössling mit kranken Wurzeln kann kein starker Baum werden.“

Diese Metapher ist ganz nebenbei betrachtet sehr passend, denn mein Großvater nahm mich oft mit in den Wald, um dort zu jagen oder einfach wandern zu gehen.
Ich kann wohl erhobenen Hauptes behaupten, die schönste Kindheit der Welt gehabt zu haben. Zumindest in meiner kleinen, kindlichen Welt, die ich auch jetzt noch in meinem Herzen trage – Jahre später nach seinem Tod.

In dieser aktuell mehr als turbulenten und angsteinflößenden Zeit, gibt es mir oft Halt, wenn ich mich an Dingen festhalten kann, die eine gewisse Kontinuität ausstrahlen. Sei es ein Buch, ein Song, gute alte Freunde oder natürlich – und in erster Linie – die Familie.

Denn gerade dann, wenn die ganze Welt aus den Fugen zu geraten scheint, ist es wichtig, dass man Halt und Kraft in den Dingen findet, die einen schon ein Großteil des Lebens begleiten.

Ich schreibe diesen Artikel nicht, um auf Missstände aufmerksam zu machen, denn schaut euch doch aktuell um. Man bekommt allerorts und jeder Zeit vor Augen geführt, was gerade alles schief läuft in Deutschland und auf der Welt.

Heute schreibe ich, um auf das Erinnern aufmerksam zu machen.

Ich selber bin 29 Jahre alt und sicherlich wird der ein oder andere von euch nun denken: „Soviel zum Erinnern hat die junge Frau doch noch gar nicht.“

Und vielleicht habt ihr Recht, aber in der vergangenen Zeit stelle ich fest, dass die Menschen immer mehr von ihren Emotionen überschwemmt werden, dass sie sich nur noch mit ihren Sorgen, Ängsten und Nöten beschäftigen können.
Aber gerade dieses Verhalten führt dazu, dass die Bürger dieses Landes sich aktiv immer mehr frustrieren. Eine Frustration, die in Irrationalität, Wut und Zorn umschlägt und sich, wie ein Krebsgeschwür, immer mehr durch dieses Land frisst. Vielleicht ist mein Gedanke, den ich jetzt äußere, naiv und zu einfach gedacht, aber ich habe das Gefühl, dass die Menschen vor ein paar Jahren noch zufriedener und glücklicher waren. Und auch damals hatten wir doch alle Probleme, oder etwa nicht?
Waren die Probleme kleiner – war die Dimension oder gar die Komplexität weniger belastend?

Oder waren wir damals einfach mehr in der Lage, einmal zu sagen: „Es reicht mir mit den schlechten Nachrichten! Ich versuche mich mit Dingen zu umgeben, die mir Zuversicht und Hoffnung schenken?“

Und dort schließt sich für mich der Kreis meiner Gedanken. Jeder von uns ist oft bei Freunden, Nachbarn, der Familie und wie oft schaffen wir es, uns einfach einmal von all dem „Schlechten“ der Gegenwart zu distanzieren?

Stattdessen habe ich oftmals das Gefühl, dass wir geradezu süchtig danach geworden sind, schlechte Nachrichten permanent und gebetsmühlenartig zu verbreiten. Unseren Frust und unseren Pessimismus, wie ein Virus, bei anderen abzuladen. Ich selbst kann mich davon nicht ausnehmen, leider.

Stattdessen sollten wir mehr lernen, in die Vergangenheit zu blicken und Kraft aus dem zu schöpfen, was uns Kontinuität und Selbstvertrauen schenkt.
Es gibt Ereignisse im Leben, die einen geradezu mit Erinnerungen und Endorphinen fluten: Runde Geburtstage, die Geburt eines Kindes, sogar tief verwurzelte Erinnerungen eines verstorbenen, geliebten Menschen wecken Emotionen, die uns mit Kraft durchfluten und Zuversicht schenken, um all das Kommende zu meistern.

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir uns nur öfters erinnern müssen, um besser mit der Zukunft zu Recht zu kommen.

Gerade in Situationen, in denen ich das Gefühl habe, dass Sorgen und Ängste mich zu überwältigen drohen, erinnere ich mich gerne an die Spaziergänge mit meinem Großvater im Wald zurück. Er saß mit mir auf einer alten Holzbank, schaute in die Abendsonne und genoss gedankenversunken seine Pfeife.

In diesen Momenten hatte ich das Gefühl mit der Welt im Reinen zu sein:

Der Geruch seines Tabaks, die Stille der Natur und die Zuversicht meines Opas, die wärmer zu strahlen schien, als die Abendsonne, die über den Feldern versank.

Diese Erinnerung gibt mir oft Kraft und Durchhaltevermögen, um selbst mit den schwierigsten Situationen, zu Recht zu kommen. Und ich denke, dass jeder von uns ähnliche Momente in seinem Leben erfahren hat.

Es geht nicht darum in Lethargie zu verfallen oder zu vergessen, was aktuell in unserem schönen Land schief läuft, aber etwas mehr erinnern, kann uns durchaus helfen, die Probleme der aktuellen Zeit zu durchdringen, diesen zu begegnen und vor allem, Lösungen zu finden.

Abschließend möchte ich diese persönlichen Erinnerungen an meinen Großvater mit folgendem Werk verknüpfen, welches Rainer Maria Rilke im Jahre 1906 schrieb. Es lautet wie folgt:

Erinnerung

„Und du wartest, erwartest das Eine,
das dein Leben unendlich vermehrt;
das Mächtige, Ungemeine,
das Erwachen der Steine,
Tiefen, dir zugekehrt.

Es dämmern im Bücherständer
die Bände in Gold und Braun;
und du denkst an durchfahrene Länder,
an Bilder, an die Gewänder
wiederverlorener Fraun.

Und da weißt du auf einmal: das war es.
Du erhebst dich, und vor dir steht
eines vergangenen Jahres
Angst und Gestalt und Gebet.“

Candy Nowicki

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